ROUNDUP/Nach Hiesinger-Abgang: Nachfolge an Thyssenkrupp-Spitze noch offen

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Nun soll Schluss sein. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand gebeten, "das Unternehmen zunächst ohne Vorsitzenden des Vorstands weiterzuführen", wie der Dax-Konzern am Freitag in Essen mitteilte. Der Aufsichtsrat des Konzerns wollte noch am Freitag über das Rücktritts-Ersuchen von Hiesinger entscheiden.

"Ich habe den Aufsichtsrat darüber informiert, dass ich mein Mandat beenden möchte". Hiesinger erklärte, er "gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen". "Das gemeinsame Verständnis von Vorstand, Aufsichtsrat und wesentlichen Aktionären über die strategische Ausrichtung von Thyssenkrupp war für mich eine wichtige Voraussetzung, um als Vorstandsvorsitzender Thyssenkrupp erfolgreich zu führen", so der Manager. Und das war nicht mehr da.

Denn zuvor war über eine mögliche Rolle der Krupp-Stiftung bei der Rücktrittsentscheidung Hiesingers spekuliert worden. Cevian-Vertreter Jens Tischendorf hatte im Aufsichtsrat gegen den Tata-Deal gestimmt, Ex-Deutsche-Telekom-Chef René Obermann und Carola Gräfin von Schmettow, im Hauptberuf Chefin von HSBC in Deutschland, hatten Hiesingers Rechnung ebenfalls nicht folgen wollen. Hiesinger dürfte gespürt haben, dass der Druck des Großaktionärs Cevian und des US-Hedgefonds Elliott bei einem Verbleib im Amt groß gewesen wäre. Sie glauben, dass die Einzelteile mehr wert sind als das Konglomerat.

Hiesingers Rückzug sorgte im Unternehmen für Unruhe. Mit Hilfe der Gewerkschaften konnten sie ihren Kurs durchsetzen.

Hiesinger war 2010 aus dem Vorstand des Siemens-Konzerns zu dem Traditionskonzern gewechselt und hat das Unternehmen aus einer existentiellen Krise befreit. Der Aufsichtsrat nahm das Rücktrittsgesuch des Managers an und überließ vorerst seinen drei Vorstandskollegen die Leitung des Mischkonzerns mit 160.000 Beschäftigten. Die Suche nach einem Nachfolger Hiesingers solle in einem "strukturierten Prozess" erfolgen.

Bittet um Vertragsauflösung: Heinrich Hiesinger, Vorstandschef von Thyssenkrupp. "Ohne ihn würde es Thyssenkrupp nicht mehr geben". Hiesinger habe stets im Interesse von Kunden, Mitarbeitern und Aktionären gehandelt. Dazu gehöre die Umsetzung des Gemeinschaftsunternehmens mit Tata im Stahlgeschäft.

Erstmals nach Monaten äußerte sich auch die Krupp-Stiftung als größter Einzelaktionär des Essener Industriekonzerns. Der Konzern müsse zukunftsfähig weiterentwickelt werden.

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