Fußball-WM: Belgien wirft Rekordweltmeister Brasilien raus

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Brasilien muss die Jagd nach dem sechsten Titel auf 2022 verschieben. Aber nun ist es so, und deshalb wummerte nach dem historischen 2:1-Sieg über Brasilien dieser Song aus den Boxen der Kasan-Arena, als Spieler und Betreuer auf dem Rasen eine so enge Jubeltraube bildeten, dass beim Zuschauen die Luft wegblieb.

Belgien sorgte nur noch ganz selten für Entlastung. "Die Jungs haben es verdient". "Wir haben eine fantastische Mannschaft, auf die ganz Belgien stolz sein kann".

Dabei waren es die Brasilianer, die die ersten Akzente setzten. "Sie waren effektiver. Courtois hat für mich den Unterschied gemacht". Sie waren gewarnt, wussten um diese belgische Stärke und konnten es doch nicht verhindern. "Ich bin noch zu viel mit dem Spiel beschäftigt".

Ein Spiel, in dem alles anders war als sonst: In der Vergangenheit hatten die Belgier bei Weltmeisterschaften gegen Brasilien nicht allzu viel Grund zum Jubeln - was allerdings vermutlich auch nur an der Tatsache lag, dass es erst ein direktes Aufeinandertreffen gegeben hat.

Um 16:00 Uhr werden Schweden und England aufeinander treffen; um 20:00 Uhr spielen dann die Mannschaften des Gastgebers Russland und Kroatien. So nahm Thiago Silva also den Oberschenkel statt des Kopfes. Eine Chadli-Ecke fälschte Fernandinho mit dem rechten Oberarm unhaltbar ins eigene Tor ab. Die Türme in der Schlacht: Vincent Kompany und Marouane Fellaini, der ebenso wie Nacer Chadli nach seinem Treffer gegen Japan in die Startelf gerückt war. Nach dem Seitenwechsel verstärkten die Brasilianer aber ihre Offensivbemühungen. Denn der 0:1-Schock war den Brasilianern extrem anzumerken - und ohne Staubsauger Casemiro überließen die Südamerikaner den Belgiern fortan bereitwillig das Mittelfeld.

Gegen Brasilien profitierte Belgien nach einer chaotischen Anfangsphase von einem Eigentor von Fernandinho (13.), ehe De Bruyne (31.) seine Freiheiten in der Offensive gekonnt nutzte. In der 31. Minute demonstrierte Martínez' Mannschaft eindrucksvoll ihre Konterstärke: Nach einem Eckball der Brasilianer startete Romelu Lukaku ein Solo über den halben Platz, bediente De Bruyne, und dieser traf mit einem satten Rechtsschuss zum 2:0. Der frühere Wolfsburger und Bremer zögerte keine Sekunde und schloss teuflisch ins linke untere Eck ab. Einen Distanzschuss von Philippe Coutinho parierte er exzellent (37.).

Dann erhöhte die "Selecao" erhöhte den Druck. Geschlagen aber wirkten die Brasilianer noch nicht und bescherten dem überragenden Torwart Thibaut Courtois eine Menge Arbeit. Der entscheidende Unterschied: Diesmal war es ein klares Foul von Kompany.

Der Aufreger: In der 56. Minute zeigte Schiri Mazic zunächst auf den Elfmeterpunkt, widerrief die Entscheidung aber nach Rücksprache mit dem Videoassistenten. Nach einem wunderschönen Chipp-Pass von Coutinho köpfte Renato Augusto den Anschlusstreffer. Es war die Initialzündung für eine berauschende Schlussphase, die jeden, aber wirklich jeden der 42.873 Zuschauer von den Sitzen riss. Doch als Schiedsrichter Mazic nach 95 Minuten dann doch abpfiff, war die nächste Überraschung dieser WM perfekt und das letzte Team außerhalb Europas ausgeschieden.

Viertelfinale: Sieger Belgien trifft jetzt im Halbfinale am Dienstag auf Frankreich.

Der zweite Halbfinal-Einzug der Belgier an einer WM nach 1986 kommt dennoch nicht von ungefähr.

Mitfavorit Brasilien erlebt gegen Belgien eine schwarze WM-Nacht. Die Reise soll aber noch nicht zu Ende sein: "Wir sind unter den letzten vier und wollen auch ins Finale".

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