Die Lady im Wilden Westen

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Während ersterer mit einer guten Portion Lakonie der mörderischen Vergangenheit direkt ins Gesicht blickte, führt White in "Die Frau, die vorausgeht" vor der cinegenen Kulisse des Wilden Westens patriarchale und rassistische Machtmechanismen vor. Wenn eine reiche weiße Dame das Leben der Indianer kennenlernt, dann muss das zwangsläufig zu Missverständnissen und skurrilen Situationen führen. Ähnlich wie zuletzt etwa in "Hostiles" ist also auch in "Die Frau, die vorausgeht" eine weiße Figur Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, was den Film bedauerlicherweise immer wieder in die Nähe von klischeebehafteten Erzählungen rückt, in denen es stets einen weißen Helden braucht, der die Minderheit "rettet". Ansonsten hat er mit historischen Fakten nur wenig gemein: So trat die heute vergessene Bürgerrechtlerin und Künstlerin Susanna Caroline Faesch (1844-1921) unter dem Namen Caroline Weldon auf.

Catherine Weldon (Jessica Chastain) ist gerade Witwe geworden und hat nichts Eiligeres zu tun als das Porträt ihres verstorbenen Gatten zu vernichten. In den Westen aufgemacht hat sie sich im Bewusstsein, gegen ihre eigene Bedeutungslosigkeit als Ehefrau und Tochter in einer Gesellschaft ankämpfen zu müssen, in der ausnahmslos Männer das Sagen haben. Schon lange hegt sie den Traum, ein Porträt des berühmten Häuptlings Sitting Bull zu malen. Häuptling Sitting Bull (Michael Greyeyes) hingegen lernt Catherine als einen friedfertigen und besonnenen Mann kennen, dessen Vertrauen und Zuneigung sie bald gewinnt. Mit allen Mitteln versucht er, die unbequeme Frau wieder loszuwerden. Während sich Catherine und Sitting Bull allmählich anfreunden, setzt der Colonel alles daran, die letzten verbliebenen Ureinwohner aus der Gegend zu vertreiben.

Die Geschichte basiert auf realen Begebenheiten, Weldon hat tatsächlich gelebt und Sitting Bull porträtiert; der Film von Regisseurin Susanna White nimmt sich aber dramaturgische Freiheiten. Aber Catherine lässt sich nicht beirren und findet ihren Weg ins Reservat. Doch der Film überzeugt als schönes, visuell eindrucksvolles Porträt einer sehr menschlichen Frau, die ihrer Zeit weit voraus war. Das ist der große Rahmen, in dem Susanne White ihre fiktive Geschichte erzählt. Und trotz des Finals, das "Die Frau, die vorausgeht" auf einer sehr bitteren Note enden lässt, hatte zumindest diese Frau ihr Ziel erreicht. Doch wie bei vielem in diesem überraschenden Werk steckt unter seiner verlotterten Oberfläche mehr Güte, als man meinen würde. Und Kameramann Mike Eley liefert großartige Landschaftspanoramen, auf die man sich bei jedem guten "Outdoor"-Western freuen darf".

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