Claudia Neumann watscht WM-Hetzer ab: "Geht länger zur Schule"

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Claudia Neumann musste in den vergangenen Wochen viel aushalten. Diese Art von Kommunikation und falschem Demokratieverständnis, die sich durch die sozialen Medien frisst, ist grauenvoll", sagt die ZDF-Journalisten in einem Interview mit der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung Die Zeit: "Man kann den Menschen nur immer wieder zurufen: Geht länger zur Schule. "Bildet euch weiter, erweitert euren Bewusstseinshorizont, dann lernt man auch, andere Haltungen zu tolerieren", sagte sie. Das sei alles auch kein reines Claudia-Neumann-Problem, sondern ein "gesellschaftliches Phänomen". Vielleicht würden Männer eine "kleine Oase des Rückzugs" brauchen. Und: "Gewissen Menschen scheint zumindest jegliche Form des Anstands abhandengekommen zu sein".

Berlin - Nach Tagen der Anfeindungen hat sich ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann erstmals zu den sexistischen Beleidigungen gegen sie geäußert. Unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzte sich öffentlich für Neumann ein. "Die Hetzer kennen mich ja nicht". Dass einige Zuschauer lieber einem Mann als einer Frau zuhören, kann Neumann nachvollziehen. Das ärgert mich nicht.

Auch das taten viele User. Und das betreffe nicht nur weibliche Kommentatorinnen, sondern auch homosexuelle Spieler und Fußballer mit Migrationshintergrund.

Das ZDF hatte bei der Staatsanwaltschaft Mainz Strafantrag gestellt gegen zwei Nutzer, die sich gegenüber Neumann und dem Sender "extrem abfällig" geäußert haben, wie Intendant Thomas Bellut sagt.

Bellut hoffte mit der Anzeige auf eine abschreckende Wirkung. Am Dienstagabend zum Beispiel erfuhr ARD-Reporter Steffen Simon beim Spiel Kolumbien gegen England viel Häme und Spott - wenngleich meist gemäßigter als zuvor Neumann.

Es gehe bei der Kritik nicht um sie als Person, "sondern darum, dass sich Frauen erdreisten, in exponierten Positionen im Fußball aufzutauchen", sagte Neumann. Als Vorreiterin für Frauenrechte sieht sie sich übrigens nicht: "Ich bin keine Feministin und will mich nicht in eine solche Rolle drängen lassen".

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