ThyssenKrupp-Deal mit Tata perfekt - Michael Warren

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Nach mehr als zwei Jahre dauernden Verhandlungen gab der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp am Freitagabend grünes Licht für die Pläne.

Das neue Gemeinschaftsunternehmen hat 48.000 Mitarbeiter und ist damit Europas zweitgrößter Stahlkonzern nach ArcelorMittal. Erwartet werden jährliche Synergien in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro.

Das Zusammengehen mit Tata sei "ein wichtiger Meilenstein für die Transformation von Thyssenkrupp zu einem Industrie- und Dienstleistungskonzern", hob der Konzern hervor.

Die "Welt am Sonntag" berichtete, die Einigung sei bereits in den Thyssenkrupp-Werken bekannt gegeben worden. "Die Stahlfusion mit Tata war nie unser Wunsch, aber sie ist die bessere Alternative", sagte Segerath unserer Redaktion.

Nach heftigen Protesten hatten auch die Arbeitnehmervertreter Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert.

Diese Nachricht wurde am 30.06.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Geplant ist aber auch der Abbau von bis zu 4000 Stellen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.

Ein Knackpunkt war bis zuletzt, wie der Wert der Unternehmen, aus denen der neue Stahl-Gigant entstehen soll, fair zu bewerten ist.

Experten wie Professor Roland Döhrn vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung schließen jedoch Einschnitte auch künftig nicht aus. "Das größte Problem der Stahlindustrie ist, dass die Nachfrage durch den wirtschaftlichen Strukturwandel abnimmt."Viele Produkte wie Autos würde immer leichter und enthielten daher weniger Stahl". Während Industrialisierungsprozesse in der Regel sehr stahlintensiv seien, komme es in entwickelteren Ländern zu einer zunehmenden Verschiebung hin zu Dienstleistungen. "Es kann doch nicht sein, dass Thyssenkrupp wie ein Gebrauchtwagen ausgeschlachtet werden soll und die Menschen auf dem Schrott landen sollen". "Das ist, denke ich, weitestgehend gelungen", sagte Tekin Nasikkol, der Betriebsratschef der Stahlsparte.

Thyssenkrupp-Anteilseigner hatten die angekündigte Trennung vom krisenanfälligen Stahlgeschäft dagegen als Befreiungsschlag gewertet.

"Hiesinger sitzt jetzt wieder deutlich fester im Sattel", stellte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpaperbesitz (DSW) fest. Nach Informationen der WAZ soll sich am Freitag (29. Juni) der Thyssenkrupp-Konzernaufsichtsrat treffen, um das von Vorstandschef Heinrich Hiesinger angestrebte Bündnis mit Tata zu besiegeln.

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