Streit zwischen Mazedonien und Griechenland: Tsipras verkündet Einigung im Namensstreit mit Mazedonien

Einstellen Kommentar Drucken

Nach mehr als 25 Jahren haben sich Griechenland und Mazedonien im Namensstreit geeinigt. Das teilte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras nach Gesprächen mit seinem mazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev mit. Sein Amtskollege in Skopje prophezeite: "Auf unser Land kommen jetzt bessere Zeiten zu". "Der Irredentismus, der in ihrem heutigen verfassungsmäßigen Namen enthalten ist, nimmt ein Ende", so Tsipras unter indirektem Verweis auf eine in Griechenland (aber auch nur dort) oft zu hörende Behauptung, im bisherigen Namen des Nachbarstaates schwängen Annexionsgelüste auf die nordgriechische Provinz Makedonien und ihre Hauptstadt Thessaloniki mit.

In Mazedonien sind tausende Menschen gegen eine Umbenennung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik auf die Strasse gegangen. Das Parlament in Skopje muss der Einigung noch zustimmen.

Seit 1991 ist Mazedonien unabhängig, doch der Weg in EU und Nato war der einstigen jugoslawischen Teilrepublik versperrt. Diese einzigartige Chance auf eine europäische Perspektive und die Beendigung der Isolation des Landes müsse genutzt werden. Danach soll es im Herbst ein Referendum über den neuen Namen geben.

Mazedonische Flaggen vor dem Regierungsgebäude in Skopje.

Athen befürchtete spätere Gebietsansprüche des nördlichen Nachbarn. 1993 wurde Mazedonien unter dem vorläufigen Namen Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, englisch abgekürzt FYROM, Mitglied der UNO.

"Das ist ein wichtiger Tag für die ganze Region", schrieb Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) auf Twitter. Dieser Schritt - von beiden Seiten als "historisch" bezeichnet - sollte auch einen möglichen Beitritt zur EU und zur Nato ermöglichen.

Der Präsident von Mazedonien, Gjorge Ivanov, hat am Mittwoch in einer Ansprache an die Nation sich geweigert, das Abkommen zwischen Skopje und Athen zur Umbenennung des Landes zu unterzeichnen.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sprachen in Brüssel von einer "historischen Vereinbarung". Es werde Mazedonien den Weg in die Militärallianz ebnen sowie Frieden und Stabilität auf dem Balkan stärken. Bereits am 17. April hatte die EU-Kommission die Aufnahme solcher Verhandlungen mit Mazedonien und Albanien empfohlen und dies mit den Reformfortschritten in den beiden Balkanländern begründet.

"Mit anderen Worten, wenn die Verfassungsänderung nicht erfolgt, wird die Einladung zur Aufnahme in die Nato aufgehoben, und die Aufnahmeverhandlungen für die EU werden nicht beginnen", so Tsipras, der auch ankündigte, Griechenland werde die Vereinbarung erst dann ratifizieren, wenn das Nachbarland alle Vorleistungen erbracht habe.

Comments