Bio-Gift in Kölner Wohnung - Haftbefehl gegen Tunesier

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Anfang Juni soll er daraus das Rizin gewonnen haben, das bei dem SEK-Großeinsatz in der Wohnung des Tatverdächtigen gefunden wurde.

In der Nacht zu Mittwoch hatten Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr teils mit Atemschutzmasken die Wohnung eines Tunesiers im Kölner Stadtteil Chorweiler durchsucht und sind dabei auf möglicherweise giftige Substanzen gestoßen. Die Behörde ermittele außerdem auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes.

Hier bestehe aber kein dringender Tatverdacht, hieß es.

Das angesehene Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel Rizin aus den Samen des Wunderbaums als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein.

Spezialkräfte hatten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus gestürmt.

Von dem Giftfund berichteten die Zeitungen "Express" und "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz sind nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert worden sei, bis es am Dienstagabend zu seiner Festnahme kam. Bereits in kleinsten Dosen von weniger als einem Milligramm kann Rizin tödlich sein. Die Ehefrau des Tunesiers, die vorübergehend ebenfalls festgenommen worden war, werde nicht beschuldigt, betonte die Bundesanwaltschaft. Er ließ auch offen, ob der Tunesier bereits vernommen wurde. Auch Hinweise auf einen Ort oder einen Zeitpunkt für einen möglichen Anschlag gebe es nicht. Die Kinder des Paares seien nicht mit Hilfe des Jugendamtes in Obhut genommen worden, wie zuvor von der Polizei berichtet, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Unklar blieb am Mittwoch jedoch zunächst, ob der 29-Jährige wirklich einen Anschlag plante, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage in Karlsruhe mitteilte. "Wir müssen jetzt die Ermittlungen abwarten".

Der "Spiegel" berichtet unter Verweis auf Ermittler, dass der Tunesier bei einem Internet-Versandhändler mehrere Stoffe bestellte, die zur Herstellung einer Bombe geeignet gewesen wären.

Laut Bundesanwaltschaft begann H. ab Mitte Mai 2018 damit, die für die Gewinnung von Rizin notwendigen Gerätschaften und Substanzen zu beschaffen.

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