Rom bestellt nach Macron-Kritik Frankreichs Botschafter ein

Einstellen Kommentar Drucken

Italiens Innenminister Matteo Salvini drohte inzwischen mit einer Absage des Treffens, sollte sich Frankreich nicht für die Äußerungen Macrons entschuldigen.

Die französische Regierung übte scharfe Kritik an der Zurückweisung des Schiffs: Regierungssprecher Benjamin Griveaux sprach in Paris vom "Beweis einer Form von Zynismus und einer gewissen Verantwortungslosigkeit der italienischen Regierung". Die Hilfsorganisation verwies darauf, dass sie ihre Rettungsaktionen auf dem Meer stets "in völliger Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht" und in Koordination mit den jeweiligen staatlichen Behörden organisiert habe. "Basta." Es gebe die Pflicht, Menschenleben zu retten, aber keine, Italien in ein enormes Flüchtlingslager zu verwandeln. "Sie sollen schon mal die Koffer packen", soll Salvini gesagt haben. Italienische Politiker hatten wiederholt moniert, das Land werde von seinen EU-Partnern nicht ausreichend unterstützt. Es handle sich um "angemessenen politischen Pragmatismus, den es vorher nicht gab", sagte der Fünf-Sterne-Politiker dem Sender Radio Capital. Ab jetzt beginnt auch Italien NEIN zum Menschenhandel, NEIN zum Geschäft der illegalen Einwanderung. Salvinis Ministerium forderte, Malta müsse "das erste Mal nach sehr langer Zeit Verantwortung übernehmen". Vermutlich stand dahinter eine Vereinbarung mit Rom. Salvini will das ändern. Spanien hat sich unterdessen bereit erklärt, dem Migranten-Rettungsschiff einen "sicheren Hafen" zu bieten. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen appellierte an die beteiligten Staaten, eine schnelle Lösung zu finden. Dieses Land sei aber nicht verpflichtet, die Flüchtlinge selbst aufzunehmen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Eine Journalistin an Bord der "Aquarius" machte auf Twitter darauf aufmerksam, dass zahlreiche Migranten am Samstag erst von einem Schiff der Küstenwache gerettet wurden, das dem glich, das sie nun nach Spanien bringen soll. Die Regierung des sozialistischen Premiers Pedro Sánchez teilte mit, das Schiff dürfe in Valencia anlegen, "um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern". Ende Juni 2015 lud Deutschland den ungarischen Botschafter in Berlin vor. Diese stehe im Widerspruch zu den eigenen Regeln Ungarns und auch der EU, argumentierte das Auswärtige Amt.

Italien und Malta streiten seit Tagen über die Aufnahme von Migranten. "Wir wissen nicht, ob Italien uns weiter blockieren wird", sagte Mathilde Auvillain von der französisch-deutschen NGO Méditerranée, die die "Aquarius" gemietet hatte. Nach seiner Auffassung hat Salvini diesen Kampf gewonnen, und dieser Sieg wird die Flüchtlingskrise in Europa maßgeblich beeinflussen. "Während wir jahrelang Tausende Migranten aufgenommen haben, ist Malta nicht bereit, einige Hunderte Migranten aufzunehmen".

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch machte auf ein weiteres Flüchtlingsdrama aufmerksam: Bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste seien mindestens zwölf Menschen ertrunken, 41 weitere hätten gerettet werden können.

"Wir befinden uns an Bord der "Aquarius", ein Schiff das gemeinsam von den Organisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditérranée betrieben wird".

Ein Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" hilft Flüchtlingen auf eines der beiden bereitgestellten Schiff Italiens.

Comments