Trump fährt G7-Gipfel mit einem Tweet an die Wand

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Und: "Ich habe eine gute Beziehung mit Angela Merkel".

Der Schritt des US-Präsidenten mache die Lage aber nicht einfacher, sagte die Kanzlerin.

Trump antwortete darauf auf Twitter und bezeichnete Trudeau als "sehr unehrenhaften und schwachen" Gastgeber: "Basierend auf den falschen Aussagen von Justin (Trudeau) bei seiner Pressekonferenz und dem Fakt, dass Kanada den amerikanischen Bauern, Arbeitern und Firmen massive Zölle berechnet, habe ich unsere US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen, und wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten". Bei diesen Werten muss man nur darüber hinwegsehen, dass in Trumps Amerika immer noch die Todesstrafe praktiziert wird und bis in höchste Kreise diskutiert wird, ob das Foltern Verdächtiger tatsächlich als bestialisches Verbrechen gelten soll.

Der kanadische Premier habe sich während des Gipfels noch "zahm und mild" verhalten, um dann hinterher sein Verhalten zu ändern, erklärte Trump. Den 400-Millionen-Auftrieb in Kanada, der nur Trump die Bühne für seine kindische Show bot, hätte man sich sparen können. Sie schätze aber das "offene und direkte Verhältnis" mit dem US-Präsidenten. "Aber die Kündigung dieses Kommuniqués ist jetzt natürlich schon ein einschneidender Schritt", stellte die Kanzlerin klar. Gleichzeitig machte sie deutlich, an dem Format festhalten zu wollen.

Sollen die Europäer nun Trump entgegenkommen und ihn so zu besänftigen suchen?

Im Streit um die Handelspolitik beim G7-Gipfel hat US-Präsident Donald Trump eine zollfreie Zone innerhalb der Gruppe aus sieben Staaten vorgeschlagen. Doch in der Summe wirken Trumps Aktionen der vergangenen Monate als Angriff auf fast alles, was den modernen Westen verbindet: die Aufkündigungen des Klimaabkommens und des mühsam von Europa eingefädelten Atomwaffenabkommens mit dem Iran. Noch aus der Air Force One zieht Trump die Zustimmung zum Kommuniqué zurück, droht erneut mit Zöllen auf Import-Autos. "Dann müssen wir uns wieder überlegen, was wir tun".

La Malbaie - In den sozialen Netzwerken blieb vom G7-Gipfel vor allem eines zurück: Ein Foto aus Kanada, getwittert am Samstag von Regierungssprecher Steffen Seibert. Falls sie nach Russland fahre, könne sie dies vielleicht sogar zu politischen Gesprächen nutzen - ohne Sprechen werde man in Konflikten überhaupt keine Lösung finden. Dafür seien "umfangreiche Verhandlungen" erforderlich.

Gleichfalls über Twitter hält Trudeaus Amt dagegen, der Ministerpräsident habe nach dem Treffen nichts anderes gesagt als bei den öffentlichen und privaten Unterredungen mit Trump während des Gipfels. Trumps zweifelhafter Umgang mit den Fakten: Er könnte letztlich also doch Fakten schaffen, wenn auch andere als vom US-Präsidenten intendiert. Dann sei auch eine "Win-win-Situation" noch möglich.

Mit Blick auf Deutschland verwies Trump in Singapur erneut auf seine Forderung nach einer Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben. Der Präsident hat heute klargemacht: "Das ist vorbei", kommentierte John Bolton, der Sicherheitsberater von Trump, das Foto.

Die Frage ist, ob Trumps Amtszeit ausreicht, um das bisherige westliche Bündnis wirklich zu zertrümmern. Die dunkelste Wolke sei der Verlust an Vertrauen, den die Politik der USA verursachten, "die Art, wie sie Beziehungen missachten, wie sie Handel treiben und wie sie internationale Organisationen behandeln". "Sie zahlen nur einen Bruchteil der Kosten und lachen uns aus", schrieb Trump.

Indes zeigt sich der US-Botschafter in Deutschland zuversichtlich, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa beigelegt werden kann.

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