Eklat nach G7-Treffen - Trump zieht Unterschrift unter Gipfelerklärung zurück

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Als Grund nannte er "falsche Aussagen" des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau, den er als "sehr unehrenhaften und schwachen" Gastgeber bezeichnete. Erst zögerte Trump, ob er angesichts des bevorstehenden Treffens mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un überhaupt den Flug nach Kanada auf sich nehmen solle.

Jetzt richtet sich Trumps Zorn just gegen jenen Justin - weil der im Streit um die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium partout nicht einknicken will. "Das machen wir nicht gerne, aber wir werden es absolut machen, denn wir Kanadier sind freundlich und vernünftig, aber wir lassen uns nicht herumkommandieren".

Merkel betonte, sie sehe trotz des Verhaltens von Trump kein Ende der G7-Gipfel.

Die Kanzlerin äusserte sich zurückhaltend zu dem Vorschlag Trumps, in der G7 alle Zölle und Handelsbeschränkungen abzuschaffen. Er habe seine Vertreter entsprechend angewiesen. Und weil das nicht genügt, fügt er als Drohung hinzu, "während wir uns die Zölle auf Autos ansehen, die den US-Markt überfluten".

Trump stürzt die Staatengruppe damit in eine ungewisse Zukunft. Trudeau halte sich weiter an das, was erreicht worden sei. Sie sagt: Als sie die Missstände erkannt habe, habe sie in ungewöhnlicher Weise in eine untergeordnete Behörde eingegriffen.

Kehrtwende: Nach der Verhängung von Strafzöllen spricht Donald Trump plötzlich von einer Freihandelszone der G7-Staaten. Es war am Nachmittag veröffentlicht worden, zum Zeitpunkt der Tweets legte Kanada zudem die französische Fassung vor.

Was war geschehen? Nach schwierigen Verhandlungen hatten sich die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, England, Japan, Italien und Kanada mit Trump auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Noch wenige Stunden zuvor war es als Erfolg gesehen worden, dass sich der G7-Gipfel in Kanada trotz tiefgehender Meinungsverschiedenheiten der Partner auf eine gemeinsame Abschlusserklärung hatte verständigen können. Trumps nachträgliche Aufkündigung der Gipfelerklärung stellt einen beispiellosen Affront in der mehr als 40-jährigen Geschichte der G7 dar.

Ein Bild geht um die Welt: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt sich beim G7-Gipfel in Kanada weit über den Tisch. Zudem müsse es einen gemeinsamen EU-Außengrenzenschutz geben, damit die Freizügigkeit nicht durch Grenzkontrollen innerhalb der EU gefährdet werde. Vielmehr sei es Kudlow zufolge andersherum: Trump werde sich nicht von Trudeau herumschubsen lassen. So lässt er seine Wut in der Eskalation des Gipfels münden statt den Handelsstreit endlich zu entschärfen.

Daher wurde um die Formulierungen im Handelskapitel besonders lange gerungen.

La Malbaie - In den sozialen Netzwerken blieb vom G7-Gipfel vor allem eines zurück: Ein Foto aus Kanada, getwittert am Samstag von Regierungssprecher Steffen Seibert.

In der von Trump verworfenen Erklärung hatten sich die sieben Industrienationen zu einem freien, fairen und regelbasierten Handelssystem bekannt und dem Protektionismus den Kampf angesagt. Es sei wichtig, dass bilaterale, regionale und plurilaterale Vereinbarungen offen und transparent seien. Trumps Ärger hatte sich an dessen Ankündigung entzündet, als Reaktion auf die Strafzölle der USA Gegenzölle zu erheben. "Die Europäische Union wird sich weiter für ein internationales, auf Regeln basierendes multilaterales System einsetzen". "Wir handeln dann auch", sagte sie in der Sendung.

Angesichts der Kontroversen mit Trump und der unterschiedlichen Auslegungen von Handelsregeln weiß sie aber auch, "dass die Tücken im Detail liegen". Wer seine Nation so überzeugend als Opfer ihrer Handelspartner zeichnet wie dieser Präsident, kann eigentlich nichts anderes im Sinn haben, als das Welthandelssystem zu Fall zu bringen - und durch eine ihm genehmere Version zu ersetzen. "Deshalb waren diese offenen Diskussionen sehr notwendig". Ihr offizielles Statement kam, bevor Trump seine Abkehr von der Erklärung bekanntgab.

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