Schweizer stimmen für Online-Casinos und gegen Vollgeld

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Die Initiative hatte vorgeschlagen, dass sie nur noch das Geld verleihen dürfen, das von Sparern, anderen Banken oder der Nationalbank zur Verfügung gestellt wird. Bei einer Volksabstimmung sprachen sich am Sonntag mehr als zwei Drittel für den Vorschlag der Regierung aus, Schweizer Casinos Online-Lizenzen auszustellen.

74 Prozent stimmten Hochrechnungen zufolge gegen die Vollgeld-Initiative.

Derzeit machen Münzen und Banknoten nur zehn Prozent der Geldmenge aus, die sich im Umlauf befindet. Rund 90 Prozent sind elektronisches Geld, das auf Bankkonten lagert. Der Vorschlag hätte die Kreditvergabe der Banken beschränkt und die Notenbank zur einzigen Quelle für neues Geld gemacht. So sollte das Geld unabhängig von möglichen Bankenpleiten werden. Nach Ansicht der Schweizer Regierung wird mit der neuen Regelung das Gesetz an das digitale Zeitalter angepasst. Die Umsetzung der Initiative hätte für jahrelange Probleme gesorgt, sagte Finanzminister Ueli Maurer auf einer Pressekonferenz. Er wertete die deutliche Ablehnung auch als Vertrauensvotum in die Schweizer Banken. Er hätte auch eine Neugestaltung der Geldpolitik in der Schweiz nach sich gezogen. Im Ausland hatte der Vorstoß für Aufsehen gesorgt.

Die Schweiz kassiert bald beim Online-Zocken mit. Damit dürfen künftig nur noch zertifizierte Casinos und Unternehmen mit Sitz in der Schweiz Glücksspiele anbieten - auch im Internet.

Banken hätten dann kein eigenes Geld mehr schaffen dürfen. Ein Bündnis aus Jugendorganisationen mehrerer Parteien hatte die erforderlichen 50.000 Unterschriften gesammelt, um das Referendum zu erzwingen. Kritiker nennen das Internetzensur. Die Schweizer Regierung will damit sicherstellen, dass sich alle Glücksspielanbieter an strikte Regeln etwa zum Ausschluss bekannter Spielsüchtiger halten. Laut der Vereinigung Addiction sind rund 75.000 der 8,3 Millionen Schweizer spielsüchtig.

Das Geld aus der Besteuerung von Glücksspielunternehmen soll Hilfsprogrammen gegen Spielsucht sowie Sport- und Kulturprogrammen zugute kommen. Bislang verzockten Schweizer in ausländischen Online-Casinos im Jahr 250 Millionen Franken (229 Millionen Euro), schätzte die Universität Bern. Knapp 54 Prozent der Befragten sprachen sich gegen eine finanzielle Beteiligung des Kantons in Millionenhöhe aus.

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