Eklat am G7-Gipfel: Was ist passiert? Fakten und Reaktionen

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Trudeau "hat uns wirklich irgendwie in den Rücken gestochen" sagte US-Präsident Donald Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow am Sonntag bei CNN mit Blick auf die Äußerung des Regierungschefs, Kanada lasse sich von den USA nicht herumschubsen.

Später liess er sein Büro eine dürre Mitteilung verschicken: "Wir konzentrieren uns darauf, was wir hier bei dem G7-Gipfel erreicht haben". Aber auch im Kampf gegen Plastikmüll in den Ozeanen verweigerten die USA den anderen G7-Staaten die Gefolgschaft.

Der Kompromiss geht aber nicht über ähnliche Formulierungen wie vor einem Jahr beim G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien und beim G20-Gipfel führender Wirtschaftsnationen (G20) im vergangenen Jahr hinaus. Der Präsident habe "im Ergebnis ein Desaster bei G7 veranstaltet und sich per Tweet von der internationalen Verantwortung verabschiedet".

Die Drohung bezüglich der Autos dürfte Deutschland als großen Exporteur besonders umtreiben. Noch in der Mittagszeit hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar Zuversicht verbreitet, dass es ein gemeinsames Communique geben werden, hatte aber eingeschränkt, dass dies "nach menschlichem Ermessen" der Fall sein werde.

Trump habe Trudeau einen Gefallen getan, indem er zu dem Gipfel gereist sei, obwohl er wegen des Treffens mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un wichtigere Dinge zu tun gehabt habe. Dieser mit Spannung erwartete Gipfel findet aber erst am Dienstag statt. Durch den Eklat um seinen Rückzieher von der Abschlusserklärung erscheint die G7 so gespalten wie noch nie in ihrer Geschichte. Ein in der Air Force One mitfliegender amerikanischer Reporter teilte während eines Tankstopps mit, dass ihm ein hoher Regierungsvertreter knapp drei Stunden vor den beiden Tweets per Mal mitgeteilt habe: "Präsident Trump ist dem Gipfelkommuniqué beigetreten". Nun stellt Trump sie vor die Frage: Wofür ist dieses Format überhaupt noch nützlich, wenn die USA nicht mehr mitspielen? Das Verhältnis zu den anderen sechs Regierungsspitzen inklusive Trudeau bewertete er mit der Bestnote 10 auf einer Skala von 1 bis 10. Wenn Europäer und Kanadier auf die Strafzölle der USA mit Vergeltungsmaßnahmen reagierten, würden sie einen Fehler begehen. Er warnte die G7-Partner vor Vergeltungsmassnahmen. Damit widerspricht allerdings seiner bisherigen auf Abschottung abzielenden Handelspolitik komplett.

Nur seien die Vereinigten Staaten eben nicht "das Sparschwein, das jeder schlachtet - das wird aufhören", fügte er noch in Charlevoix hinzu.

Zu einem anderen grossen Streitthema war beim Gipfel nicht viel zu hören.

Die Liste der Streitfragen wurde aber sogar noch länger. Was Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu einer eigenen Attacke nutzte. Chancen auf Erfolg hat der Vorschlag aber nicht. Merkel und Kanada sprachen sich offen dagegen aus, sollte es in der Ukraine keine Fortschritte geben. Auch die Italiener brachten ein Bild in Umlauf: Ministerpräsident Giuseppe Conte, der auf das Verhandlungspapier blickt. Bei der Rekonstruktion der turbulenten Stunden in Kanada kamen US-Kommentatoren zu der Schlussfolgerung, dass Trump den Eklat "vorher eingepreist" haben könnte, um den "Keil" noch tiefer in das Bündnis der westlichen Industriestaaten zu treiben. Doch Versprechen wie ein gemeinsames Abwehrsystem gegen Destabilisierungsversuche aus Russland oder China sowie die Förderung von Frauen in Entwicklungsländern wirken angesichts der Streitpunkte wie Nebenschauplätze, so sinnvoll sie sein mögen. Die neue populistische Regierung in Italien aus Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega verfolgt generell eine russlandfreundliche Linie und will sich auch für ein Ende der Sanktionen gegen das Land einsetzen.

Beim Streitthema Iran war das gemeinsame Ziel der Verhinderung einer iranischen Atombombe in der Abschlusserklärung festgeschrieben worden. Und noch ein Thema fehlte in La Malbaie: Der seit sieben Jahren andauernde Krieg in Syrien mit Hunderttausenden Toten.

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