Abgasskandal - Razzia bei Audi-Chef Stadler

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Nun hat der Abgasskandal auch Audi-Chef Rupert Stadler voll im Griff: Seit dem 30. Mai würden der Vorstandsvorsitzende der Audi AG sowie ein weiteres Mitglied des Vorstands der VW-Tochter aus Ingolstadt als Beschuldigte geführt, teilte die Staatsanwaltschaft München II am Montag mit. Auf der Suche nach weiteren Beweisen haben Ermittler am Montag die Privatwohnungen von Stadler und dem anderen Beschuldigten durchsucht. Die Ermittler legen ihnen "Betrug" sowie "mittelbare Falschbeurkundung" zur Last. Dabei gehe es um das "Inverkehrbringen von mit manipulativer Abgassteuerungssoftware ausgestattenen Diesel-Kraftfahrzeugen auf dem europäischen Markt".

Audi-Chef Rupert Stadler gerät immer tiefer in den Strudel des Dieselskandals von Volkswagen. "Wir kooperieren vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft", sagte ein Audi-Sprecher. Bei zwei Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft um ehemalige Vorstandsmitglieder von Audi. Der betroffene Arbeitsplatz sei nicht mehr bei Audi angesiedelt.

Bei dem Verdacht gegen Stadler geht es den Recherchen von NDR, WDR und "SZ" also nicht um den von VW auch im Namen von Audi längst zugegebenen Betrug in den USA und auch nicht um die von US-Behörden enthüllten Verstöße in den Vereinigten Staaten bis 2015, sondern um eine mutmaßlich mangelnde Aufklärung danach bei Audi, wofür Stadler verantwortlich sein soll.

Anfang Februar hatten Staatsanwälte die Audi-Zentrale in Ingolstadt und Büros im Werk Neckarsulm durchsucht. Unterfüttert wurden die Vorwürfe gegen den Konzern mit Informationen eines Ex-Audi-Ingenieurs, der in Untersuchungshaft saß und der den Vorstand in die Haftung nehmen will.

Die Zahl der Beschuldigten im Ermittlungsverfahren ist damit auf 20 gestiegen. Bereits am 15. März 2017 hatten die Strafverfolger während der Jahrespressekonferenz von Audi medienwirksam die bayrische Konzernzentrale gefilzt. Stadler hat jede Beteiligung an den Manipulationen bestritten und konnte sich trotz interner Kritik bisher als Audi-Chef halten.

Die Volkwagen-Tochter Audi überprüft seit Längerem alle möglichen Diesel-Varianten auf illegale Abschalteinrichtungen. Vergangene Woche hatte das Kraftfahrt-Bundesamt den offiziellen Rückruf von 60.000 A6 und A7 wegen einer manipulierten Motorsteuerung angeordnet.

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