US-Präsident Trump hat nach dem G7-Gipfel alles in Frage gestellt

Einstellen Kommentar Drucken

Während des Treffens erging sich der US-Präsident in einem Luxushotel in prächtiger Landschaft in Freundlichkeiten.

Und nach dem Gipfel dann der Eklat: Trump zog seine Zustimmung zur gemeinsamen Abschlusserklärung wieder zurück. Dies sei "sehr unehrlich und schwach" - eine drastische Aussage, wo Kanada doch zu den engsten Verbündeten der USA gehört. Kanada werde seinerseits die USA mit höheren Zöllen belegen. "Kanadier sind höflich und vernünftig, aber wir lassen uns auch nicht herumschubsen", sagte Trudeau am Samstag am Gipfelort.

Vor seinem Abflug hatte sich Trump trotz der tiefen Gräben im transatlantischen Verhältnis noch zufrieden gezeigt.

Andererseits mangelt es nicht an Stimmen, die Trump die Rolle des tapferen Helden zusprechen, der - allein gegen eine feindliche Übermacht - furchtlos für nationale Interessen kämpft.

Das Verhältnis zu den anderen sechs inklusive Trudeau bewertete er mit der Bestnote 10 auf einer Skala von 1 bis 10.

Er habe den Staats- und Regierungschefs gesagt, er werde alles tun, um unfaire ausländische Handelspraktiken zu verhindern. Die Europäische Union sei "brutal" zu den USA.

Nur seien die Vereinigten Staaten eben nicht "das Sparschwein, das jeder schlachtet - das wird aufhören", fügte er noch in Charlevoix hinzu.

Das Ende, das die Bedeutung des (.) G7-Gipfels verändert, kommt völlig unerwartet.

Der Kompromiss sah so aus, dass ähnliche Formulierungen wie vor einem Jahr beim G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien und beim Gipfel der 20 Wirtschaftsnationen (G20) in Hamburg benutzt wurden.

Merkel und Macron waren auf dem Rückflug nach Europa, als Trump seinen Ausstieg erklärte. In der Sache, etwa beim vereinbarten Schutz der Ozeane vor Plastikmüll, zeigte Trump null Kooperationsbereitschaft.

In Deutschland übernahmen die harsche Kritik an Trump die Chefs der Koalitionsfraktionen. Die SPD-Vorsitzende Nahles nannte Trump einen "Chaoten", der sich per Tweet von der internationalen Verantwortung verabschiedet habe. Mit den sehr allgemeinen Bekenntnissen zum Abbau von Zöllen und Subventionen sowie zu multilateralen Handelsregeln konnte Trump auch gut leben - zumal es ihm gelang, die Forderung nach Reform der von ihm gescholtenen Welthandelsorganisation (WTO) festschreiben zu lassen.

Auf dem G7-Gipfel in Kanada deutet sich eine leichte Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und der EU an. "Er hat uns das Messer in den Rücken gestoßen", sagte Wirtschaftsberater Larry Kudlow über Trudeau im Fernsehsender CNN.

Den Anfang machte, noch vor Seibert, die US-Regierung. Begründung: Sein bevorstehendes Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un in Singapur, das aber erst am Dienstag stattfindet. Es wird viele Gipfel brauchen, um das Vertrauen zurückzugewinnen, das Trump mit seiner Respekt- und Anstandslosigkeit zerstört hat.

Trump bezog sich auf Äusserungen Trudeaus bei einer Pressekonferenz. Das Format wird schon seit Jahren infrage gestellt. Überhaupt sei die Vergangenheit kein Grund, Moskau die Teilnahme am G7-Gipfel zu verwehren. Im Alleingang hatte Trump zudem erklärt, dass Russland - seit 2014 wegen der Annexion der Krim aus dem Kreis der damaligen G8 verbannt - unbedingt wieder aufzunehmen sei.

Der Gipfel führender Industrienationen hat im kanadischen La Malbaie seine abschliessenden Beratungen aufgenommen. Merkel und Kanada sprachen sich offen dagegen aus, sollte es in der Ukraine keine Fortschritte geben. Einzig der Neuling in der Runde, Italiens neuer Regierungschef Giuseppe Conti, unterstützte Trump grundsätzlich. Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping demonstrierten bei einem Regionalgipfel in Qingdao Eintracht. Er nahm parallel zum G7-Gipfel an einer Art Gegenveranstaltung mit Ländern wie China, Iran und Pakistan in der ostchinesischen Stadt Qingdao teil.

Er nutzte das Treffen, um Vorwürfe der G7-Mitglieder gegen ihn zurückzuweisen.

Comments