Verdächtiger im Fall Susanna im Irak festgenommen

Einstellen Kommentar Drucken

"Wir erwarten eine enge Kooperation mit den deutschen Ermittlungsbehörden, damit der abscheuliche Mord an Susanna F. aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden", schrieb die Menschenrechtsorganisation am Freitag an die Behörden in Bagdad und Arbil. Später bat sie ihre Tochter um ein "kurzes Lebenszeichen". Ein 13-jähriger Flüchtling erschien auf einer Wiesenbadener Polizeiwache. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, doch das Verfahren blieb anhängig, nachdem er per Anwalt widersprochen hatte. Bei der Kontrolle in Düsseldorf legten die acht Familienmitglieder laut Bundespolizei irakische Ersatzdokumente sowie deutsche Aufenthaltsgestattungen vor. Es handele sich um einen 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit, der jedoch wenige Stunden nach seiner Festnahme wieder freigelassen wurde. Bashar sei "dringend verdächtig, Susanna am Abend des 22. Mai oder in der Nacht zum 23.im Feld in Erbenheim vergewaltigt und durch Gewalteinwirkung am Hals getötet zu haben", erklärte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn. Weil die Justiz aber keinen Haftgrund sah, fordert CDU-Mann Schuster, Staatsanwaltschaften und Gerichte sollten den Rechtsrahmen "offensiv ausschöpfen". Am Flughafen sollen er und seine Familie Flugtickets gezeigt haben, auf denen andere Namen angegeben gewesen waren als auf ihren Aufenthaltspapieren für Deutschland. "Warum konnte der Täter samt Familie offenbar unter falschem Namen ausreisen?" Bashar hielt sich laut Müller mit einer Aufenthaltsgestattung in Wiesbaden auf.

"Die vorgelegten Dokumente waren echt, gültig und berechtigten zur Ausreise", betonte auch das Bundespolizeipräsidium in Potsdam am Freitag. Zudem kam er unter anderem wegen Pöbeleien und Prügeleien mehrfach mit der Polizei in Kontakt, sein Name wurde auch im Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens genannt. Ali B. traf im Herbst 2015 in Deutschland ein und lebte als abgelehnter Asylbewerber mit seiner Familie in Wiesbaden. Die deutschen Behörden müssten "alles tun, damit der Mann ausgeliefert und nach Deutschland zurückgebracht wird". Wie lange das über den diplomatischen Weg geführte Auslieferungsverfahren dauern könnte, lasse sich schwer abschätzen, sagte ein Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Mehr wollte er mit Hinweis auf den Schutz des mutmaßlichen Opfers nicht sagen.

Ali B. hielt sich zum Tatzeitpunkt legal in Deutschland auf. Obwohl das Kind bereits seit dem 22. Mai vermisst war, ging die offizielle Fahndung erst am 30. Mai raus.

Welchen Aufenthaltsstatus hatte Ali B? Nach Angaben der Mainzer Gemeinde war Susanna F. jüdischen Glaubens. Sie lag in einem Erdloch in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden, zwischen einer Bahnlinie und der Bundesstraße 455, bedeckt mit Blättern und Reisig.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) sagte, der eigentliche Skandal sei "nicht, dass es jetzt ein Flüchtling gewesen ist, sondern jemand, der straffällig gewesen ist". Der entsetzliche Mord an der 14-jährigen Susanna F. aus Mainz erschüttert das Land. Das habe ihm B. selbst gesagt. Geflüchtet ist ein Mann, der im April 2017 der Polizei das erste Mal auffällt. Der 13-Jährige sagte der Polizei auch, wo die Vergewaltigung stattgefunden haben soll und dass B. einen Komplizen gehabt habe. Die Einsatzkräfte wären bei der Suche "fast vorbeigelaufen", sagt ein Wiesbadener Beamter. Schwer zu entdecken. Die Suchmannschaft wäre am Mittwoch um ein Haar an der Stelle vorbeigelaufen, hätte nicht ein weiß schimmerndes Etikett die Aufmerksamkeit erregt.

Comments