Viele Tote bei blutigen Protesten gegen Israel im Gazastreifen

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Währenddessen rechtfertigt Israel den Einsatz seiner Soldaten. Er kündigte die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem an.

Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen an der Grenze vom Gazastreifen zu Israel sind nach palästinensischen Angaben mindestens 60 Menschen getötet worden. Rund 2800 wurden verletzt. Die Türkei und Südafrika haben ihre Botschafter für Konsultationen abgezogen, in Irland wurde der israelische Botschafter einbestellt. Der Mann sei erschossen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza am Dienstag mit.

Umgekehrt beschuldigte die israelische Armee die Palästinenser, "Gewalt in beispiellosem Ausmaß" eingesetzt zu haben.

Auch zahlreiche andere, vor allem arabische Staaten kritisierten das Vorgehen gegen die Palästinenser scharf. Deutschland, Großbritannien, Belgien und die Schweiz sprachen sich am Dienstag für eine internationale Untersuchung der Vorfälle aus. Aus der Menge wurden Steine und Brandsätze auf israelische Sicherheitskräfte geworfen. Soldaten hätten entsprechend reagiert und auch geschossen.

Der offizielle Anlass für die Proteste war der Nakba-Tag, der Jahrestag der Staatsgründung Israels aus palästinensischer Sicht. Das aktuelle militante und aggressive Vorgehen palästinensischer Gruppierungen gegen die Verlegung der US-Botschaft sei jedoch durch nichts zu rechtfertigen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel "Staatsterrorismus" und "Völkermord" vor. Die Botschafter werden demnach "zu Beratungen" zurückgerufen.

Damit scheint es sich nicht um eine förmliche Ausweisung zu handeln. Die Teilnahme sei jedoch meist eine Entscheidung des Botschafters, manchmal in Rücksprache mit dem Außenministerium.

Netanjahu wies die Kritik Erdogans zurück. "Ich rate ihm, uns keine Moral zu predigen". Dieses dürfe aber nicht missbraucht werden, um Gewalt anzustacheln. Das sei hier nicht der Fall gewesen, sagte der Sprecher des Büros, Rupert Colville, am Dienstag. Zusätzlich befeuert durch die international umstrittene Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem gab es am Montag massive Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Armee.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat die US-Botschaft in Jerusalem als ein neues "jüdisches Siedlungsgebiet" bezeichnet. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat lehnt Israel ab. Israel hatte den Ostteil samt der historischen Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert, die Uno erkennt die Annexion aber nicht an. "Die israelische Regierung muss dringend erklären, warum auf die 35 000 Menschen, die gestern an der Grenze protestierten, scharf geschossen wurde, statt nur Material zur Krawallbekämpfung einzusetzen". Unter den am Montag getöteten Palästinensern sollen zehn Hamas-Mitglieder gewesen sein, darunter auch der Sohn eines der Gründer, Abdel Aziz al-Rantisi. Die Armee sprach von rund 400 Palästinensern, die an gewaltsamen Protesten im Grenzgebiet beteiligt seien. "Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen", sagte Trump. Angetrieben von der Hamas, aber auch aus Verzweiflung über das aussichtslose Leben in diesem abgeriegelten Elendsstreifen. Es war der Tag, an dem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnet wurde. Bei dieser Konstellation von Anlässen war es absehbar gewesen, dass es zu Protesten von Seiten der Palästinenser kommen wird.

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