Bisher unlesbare Texte von Anne Frank entziffert

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Mehr als siebzig Jahre lang waren zwei Seiten des weltberühmten Tagebuches von Anne Frank dicht verklebt. Nun sind die bisher unlesbaren Zeilen entziffert und veröffentlicht worden. Er geht davon aus, dass sie diese Witze im Radio oder von ihrem Vater aufgeschnappt hat. Anne Franks Schreibstil verrate allerdings die schriftstellerischen Ambitionen des jungen Mädchens: Denn sie wollte, basierend auf den Eintragungen in ihrem Tagebuch, einen Roman mit dem Titel "Das Hinterhaus" schreiben. Die Amsterdamer Anne Frank Stiftung präsentierte die Texte am Dienstag.

Inhaltlich ergebe sich nicht wirklich etwas Neues, Anne sei eben ein 13-jähriges Mädchen in der Pubertät gewesen. Über Sexualität hat sie auch an anderer Stelle geschrieben. 1947 veröffentlichte er Annes Tagebuch, das ihm Helfer ausgehändigt hatten. Daher redigierte sie später alle Texte und schrieb große Passagen neu. Die Seiten 78 und 79 klebte sie vermutlich selbst zu, weil sie sich schämte. "Wahrscheinlich hatte sie Angst, dass jemand das lesen könnten", vermutet Direktor Leopold.

Waren diese Passagen dem jungen Mädchen peinlich? Zugleich beleuchten sie den schrillen Kontrast zu der großen Bedrohung im Hinterhaus an der Prinsengracht und machen den unmenschlichen Terror bis heute fühlbar. Im August 1944 war die Familie verraten und deportiert worden. Sie starb im Alter von 69 Jahren in ihrem Zuhause in Montana, wie ein Bestattungsunternehmen in der Stadt Livingston mitteilte. Nur Vater Otto Frank überlebte. In der neuen für 2019 geplanten wissenschaftlichen Ausgabe der Tagebücher sollen die erst jetzt entdeckten Seiten mit aufgenommen worden. "Anne Frank ist weltweit zu einer Ikone geworden", sagte Direktor Leopold. "Ihr Tagebuch gehört zum Weltkulturerbe der Unesco". Wir fanden, dass alle Texte dokumentiert werden mussten. Immerhin hat sie Seite 78 und 79 des Tagesbuchs mit braunem Packpapier verklebt, um sie vor neugierigen Augen zu verbergen.

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