Bier und Schnaps sollten laut Suchtexperten teurer werden

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Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, äußert sich ebenfalls besorgt wegen des Alkoholkonsums der Deutschen.

Musalek kritisiert auch, dass in Lokalen alkoholische Getränke oft billiger sind als nichtalkoholische. "Wenn wir wollen, dass in Deutschland weniger Menschen alkoholabhängig werden, weniger Jugendliche "Komasaufen", dann ist nicht nur die Politik gefragt". Laut Regierungsangaben ist es möglich, für weniger als drei Euro die als schädlich angesehene Höchstmenge zu überschreiten. "72 Prozent der Menschen haben kein Problem mit dem Alkoholkonsum, neun Prozent gelten als alkoholgefährdet, fünf Prozent sind alkoholabhängig", sagte Alexander Hagenauer, stellvertretender Generaldirektor des Hauptverbands. "Deshalb plädiere ich dafür, auch hierzulande stärker über höhere Preise von Alkohol nachzudenken", sagte er den Funke-Zeitungen. Dies sei allerdings nur ein Teil des Maßnahmenpakets gegen den allgemein hohen Alkoholkonsum, erläutert die schottische Regierung auf ihrer Webseite. Ihr einfacher Rat: "Trinken Sie mindestens zwei Tage in der Woche keinen Alkohol".

Die Behörden berichten, dass laut verschiedener Untersuchungen sich ein Mindestpreis pro Einheit als effektivste Optionen herauskristallisiert hat. Der Konsum sank demnach von durchschnittlich 15,3 Litern Alkohol auf rund zwölf Liter. Wer viel trinkt, wird die Ausmaße der Preiserhöhung deutlicher merken, als diejenigen, die nur gelegentlich Alkohol als Genussmittel konsumieren. Bier, Wein und Spirituosen müssten jetzt so teuer sein, dass der darin enthaltene reine Alkohol für umgerechnet 57 Cent pro zehn Milliliter verkauft werde.

Wien - Ein Mindestpreis für Alkohol, wie er kürzlich in Schottland eingeführt wurde, wäre laut Michael Musalek, Ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Wien, auch für Österreich sinnvoll. "Wer den Alkoholkonsum reduzieren will, muss dafür sorgen, dass die in Deutschland unverhältnismäßig niedrigen Preise für alkoholische Getränke angehoben werden", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Freitag. Es sei nachgewiesen, dass "insgesamt umso mehr Alkohol getrunken wird, je niedriger sein Preis ist", sagte Gaßmann.

Als erstes Land weltweit hat Schottland einen Mindestpreis für Alkohol eingeführt. Der Suchtexperte des AOK-Bundesverbands, Kolpatzik, führte aus, die vor 14 Jahren eingeführten Abgaben auf sogenannte Alkopops hätten gezeigt, dass man über gezielte Besteuerung positive Lebensstiländerungen einleiten könne.

Ein Mindestpreis für Alkohol sollte aber unbedingt mit einer breiten gesellschaftlichen Diskussion einhergehen.

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