Krankenkassen warnen vor Abzocke beim Arzt

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Es handelt sich dabei um eine kostenpflichtige medizinische Zusatzleistung.

Unter Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) fallen alle Therapien, für die Krankenkassen nicht aufkommen.

Eher kritisch stuften die Medizinexperten der Kassen auch Angebote für MagnetresonanztomographienMDS-Geschäftsführer Peter Pick sagte, die Angebote orientierten sich nicht am nachgewiesenen Nutzen, sondern an Vorlieben von Arztgruppen und Umsatzinteressen der Praxen. Zum Ermitteln der meistverkauften Igel-Leistungen wurden 2000 gesetzlich Versicherte zwischen 20 und 69 Jahren befragt. Zum Teil würden Patienten auch unter Druck gesetzt, solche Leistungen zu kaufen. "Das ist nicht hinnehmbar", erklärte Pick.

Die AOK Nordost, die auch für Brandenburg zuständig ist, rät Patienten, sich in jedem Fall vom Arzt umfassend beraten zu lassen und vor ihrer Zustimmung immer den Nutzen abzuwägen. Das Spektrum reicht von der professionellen Zahnreinigung über die Laserbehandlung von Krampfadern und Reiseimpfungen bis zur Augeninnendruckmessung zur Früherkennung des grünen Stars. Eine solche alleinige Messung ohne eine Augenspiegelung werde vom Berufsverband aber als "Kunstfehler" eingestuft.

Frauen wird demnach am häufigsten eine Ultraschall-Untersuchung der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung angeboten, deren Effekt aber negativ sei. Frauen würden durch Fehlalarme unnötig beunruhigt, es könnten auch gesunde Eierstöcke entfernt werden. Auf Platz vier ist der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Der Berufsverband der Frauenärzte weist die Vorwürfe entschieden zurück. Vor allem Gynäkologen, Augenärzte, Orthopäden, Urologen und Hautärzte erzielen Untersuchungen der Kassen zufolge mit diesen Leistungen zusätzliche Einnahmen. Es könnten aber etwa Zysten, Flüssigkeitsansammlungen oder Wucherungen im Bereich von Gebärmutter, Harnblase und Eierstöcken erkannt werden. Mehr als jeder dritte Patient gab an, dass er sich bedrängt und unter Druck gesetzt fühlte. "Was für Haustürgeschäfte gilt, muss auch für ärztliche Igel gelten", sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Patienten solle zwischen dem Angebot des Arztes und der Leistungserbringung eine Bedenkzeit von 14 Tagen eingeräumt werden. Ein Arzt ist verpflichtet, die Patienten ausführlich zu informieren, auch über die Kosten.

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