Konzernchef Herbert Diess: "VW muss anständiger werden"

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Zugleich will VW seinen viel beschworenen Kulturwandel entschlossener umsetzen. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, sagte der neue Konzernchef Herbert Diess am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Berlin. Volkswagen müsse "noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden". Für nicht zum Kerngeschäft zählende Unternehmensteile wie den Motorradbauer Ducati oder den Getriebehersteller Renk würden aktuell "belastbare Zukunftsperspektiven" erarbeitet, so Diess. Generell will Volkswagen die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge - Volkswagen Truck & Bus - weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufstellen und "in absehbarer Zeit" fit für die Börse machen.

Der Vorstand hat laut Diess mit "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht.

Der Start des von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufenen Kulturwandels für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten verlief bisher holprig.

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgas-Skandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. "Eine Portion Demut" mahnte der neue Chef an. Arbeitnehmervertreter hatten einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile hält, strikt abgelehnt. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh fragte kürzlich mit Blick vor allem auf Ducati: "Warum sollen wir nicht zukaufen, uns Partner in China suchen, vielleicht auch da in die Elektromobilität einsteigen?" "Volkswagen muss schneller, effizienter und konsequenter werden - in den Entscheidungen und in der Umsetzung". Beispielsweise sprach Diess den neuen WLTP-Zyklus an, der ab dem 1. September 2018 zur Bestimmung von Schadstoff- und CO2-Emissionen sowie des Kraftstoffverbrauchs maßgebend wird. Anders gesagt: "Wir müssen den Konzern vom schwerfälligen Tanker zu einem schlagkräftigen Verbund von Schnellbooten machen", sagte der 59-Jährige. Die Wege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit. Dabei spielten auch die Kapazitäten der Genehmigungsbehörden eine Rolle.

Dennoch zeigte sich der Manager insgesamt zuversichtlich für das Jahr 2018. Auch die umstrittenen Tierversuche mit Affen prangerten sie an. Er rief dazu auf, das Ende des Verbrennungsmotors einzuleiten.

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