Transplantation: Franzose bekam "drittes Gesicht"

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Grund für die erste Transplantation im Jahr 2010 war die Erbkrankheit Morbus Recklinghausen, die sein Gesicht entstellte. Unter anderem tauschten sie das Blutplasma aus und eliminierten so die Antikörper des Patienten. Von dieser Erfahrung profitierte nun auch ein Mann aus Frankreich.

Die Entscheidung für eine zweite Transplantation war bereits im November erfolgt, im Januar gab es einen Gesichtsspender. Eine Abstoßungsreaktion nach der ersten Operation machte die zweite notwendig.

Ärzte und Schwester des Pariser George-Pompidou-Krankenhauses bei einer Gesichtstransplantation: Als erster Mensch der Welt überlebte ein 43-jähriger Franzose zwei Gesichtstransplantationen.

Herr Hamon leidet an Neurofibromatose Typ 1, einer genetischen Erkrankung, die schwere entstellende Tumoren im Gesicht verursachen kann. Als im vergangenen November Anzeichen von Nekrose (Absterben einzelner Glieder) auftraten, sahen sich die Ärzte gezwungen, das ganze Organ zu entfernen. "Mädchen und Jungen sind etwa gleich häufig betroffen", heißt es dort weiter. Nachdem sein erstes Transplantat abgestoßen wurde, erhielt er das Gesicht eines 22-jährigen Spenders. Um eine erneute Abstoßung zu vermeiden, hatte der Patient - von den französischen Medien als "Mann mit drei Gesichtern" bezeichnet - eine besondere Behandlung, um das Blut vor der Transplantation zu reinigen. Das Sprechen falle ihm noch schwer, auch müssten die Gesichtsmuskeln noch etwas Beweglichkeit gewinnen. Er hoffe, dass eine zweite Gesichtstransplantation die Ausnahme bleibe. "Diesmal ist es wieder so", sagte Hamon gegenüber Reportern der britischen BBC.

"Wenn ich dieses neue Gesicht nicht akzeptiert hätte, wäre es schrecklich gewesen. Aber hier sind wir, es ist gut, ich bin es", sagte der Patient der Nachrichtenagentur AFP aus dem Krankenhaus, wo er sich immer noch erholt. Der scherzte im französischen Fernsehen: "Ich bin 43".

Die stundenlange Operation wurde von Professor Laurent Lantieri geleitet, einem Spezialisten für Hand- und Gesichtstransplantationen, der vor acht Jahren die erste Operation von Herrn Hamon durchgeführt hatte.

Hamon hat sich nach eigenen Angaben mit seinem neuen Aussehen abgefunden und fühlt sich sehr wohl damit.

"Heute wissen wir, dass eine Doppeltransplantation machbar ist, nicht mehr nur im Bereich der Forschung", so Lantieri. Für einen Mann, der durch all das gegangen sei - vergleichbar sei es mit einem Atomkrieg - gehe es seinem Patienten gut, sagte der Arzt weiter.

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