Bornavirus ist für Menschen gefährlich

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Das Bornavirus ist als Krankheitserreger bei Paarhufern wie Pferden, Schafen und anderen Tieren seit Langem bekannt.

Erstmals sind jetzt Infektionen mit dem Borna Disease Virus (BoDV-1) als wahrscheinliche Auslöser von schweren Enzephalitiden beim Menschen identifiziert worden. "Ein sehr seltener Einzelfall", sagte Beer.

Drei Patienten sind in Deutschland an den Folgen einer Viruserkrankung gestorben, die bisher nur bei Tieren beobachtet wurde. Die Betroffenen hatten eine Gehirnentzündung, die höchstwahrscheinlich durch das klassische Bornavirus ausgelöst worden sei.

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin und Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald, gehen davon aus, dass es sich um die ersten gesicherten Bornavirus-Nachweise beim Menschen überhaupt handelt.

Bei Pferden sind Infektionen mit Borna-Viren - benannt nach dem Ort Borna bei Leipzig - seit mehr als 100 Jahren bekannt.

Die Ursache der Gehirnentzündungen der Transplantation-Patienten war mit der Standarddiagnostik nicht zu finden.

Infektion durch OrganspendenZwei der verstorbenen Patienten hätten sich mit hoher Sicherheit über transplantierte Organe eines infizierten Spenders angesteckt.

Die Wissenschaftler des Bundesforschungsinstitutes für Tiergesundheit wurden nicht zum ersten Mal zur Klärung menschlicher Erkrankungen hinzugezogen. Eine weitere solche Infektion wurde allerdings bei einer Patientin mit massiver Enzephalitis belegt, und ein zusätzlicher Verdachtsfall wird abgeklärt.

Schon 2015 war das FLI bei der Aufklärung von drei unklaren Gehirnentzündungen beteiligt.

Bereits 2015 starben drei deutsche Bornavirus-InfizierteSchon im Jahr 2015 hatte es Todesfälle von Menschen in Sachsen-Anhalt gegeben, die mit einem Stamm von Bornaviren befallen waren. "Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keinerlei Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte", berichtet Beer.

Im Fall des Organspenders müsse eine derartige Infektion vorgelegen haben, so dass die Person gesund erschien und Organe transplantiert werden konnten.

Vorkehrungen zur Absicherung der Organspende gegen Borna-Viren seien gegenwärtig aber noch nicht möglich - und angesichts der Seltenheit der Erreger auch nicht nötig, sagt Hengel: "Noch besitzen wir keine geeigneten Werkzeuge, um Organspender vorbeugend zu testen".

Außerdem sei nicht klar, ob möglicherweise Vorerkrankungen in den nun dokumentierten Fällen eine Rolle spielen. Als Folge tritt häufig der Tod ein.

Bekannt ist jedoch, dass sich der Erreger in Deutschland in Feldspitzmäusen vermehrt und von ihnen ausgeschieden werden kann. Der Übertragungsweg auf den Menschen ist unklar. Allgemein tritt das Virus laut RKI selten auf: In Teilen Österreichs sowie in Ost- und Süddeutschland, Lichtensteins und der Schweiz. Belastbare Hinweise auf eine Gefährdung fanden sie nicht, 2005 wurde die Arbeit eingestellt.

Vermeintliche Bornavirus-Nachweise in menschlichen Proben waren später auf Verunreinigungen im Labor zurückgeführt worden. Viel Beachtung hatte das Thema auch deshalb gefunden, weil manche der Wissenschaftler das Bornavirus als einen Faktor beim Entstehen von Krankheiten wie Depression und Schizophrenie darstellten. "Man muss die aktuellen Einzelfälle eindeutig von den Diskussionen der vergangenen 20 Jahre und den damaligen Untersuchungen abtrennen", betont Martin Beer vom FLI". "Wir sehen jetzt eine ganz klare Symptomatik, wir haben Todesfälle und in den Proben der verstorbenen Patienten lassen sich sehr große Mengen an Virus-Genom nachweisen".

Forscher mehrerer Institute wollen nun gemeinsam offene Fragen zu Infektionswegen und Risikogebieten zu Bornaviren nachgehen.

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