Schon geringes Übergewicht fördert Herz-Kreislauf-Risiko

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Demnach ist schon minimales Übergewicht für die Gesundheit problematisch.

Schon geringes Übergewicht erhöht einer großen Studie zufolge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Glasgow/Aachen - Im European Heart Journal publizierten schottische Forscher diese Woche eine weitere Studie, die das Adipositias-Paradoxon widerlegen soll (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy057).

Dies sei den Forschern zufolge die aktuell größte Studie, die Beweise gegen die Theorie liefere, dass leichtes Übergewicht nicht schädlich oder sogar gesund sein könnte (aponet.de berichtete). "Je weniger Fett, insbesondere um den Bauch, desto geringer das Risiko für spätere Herzerkrankungen", sagt dagegen Erstautorin Stamatina Iliodromiti. Ein deutscher Kardiologe sagt, die extrem gutgemachte Studie räume mit dem Adipositas-Paradoxon auf. Die neue Studie widerspricht dem fundamental, zumindest mit Blick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen - die mit Abstand häufigste Todesursache hierzulande.

Zur Studie: Die Wissenschaftler schlossen fast 300 000 Menschen in die Analyse ein, die zu Beginn der Studie (zwischen 2006 und 2010) 40 bis 69 Jahre alt und gesund waren. Bis 2015 verfolgten die Forscher dann deren Entwicklung. Bei der Auswertung der Daten berücksichtigten die Mediziner auch andere Einflussfaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck.

Das geringste Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten Menschen mit einem Körper-Masse-Index (BMI) zwischen 22 und 23 - also deutlich unter dem Wert für Übergewicht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beginnt Übergewicht erst ab einem BMI von 25 und Fettleibigkeit ab einem BMI von 30. Eigentlich wird ein BMI zwischen 18,5 und 25 als normal und gesund eingestuft.

Der BMI errechnet sich, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Größe in Metern teilt. Die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen stieg demnach: Ein Anstieg des BMI-Wertes um 5,2 Punkte geht bei Frauen mit einem um 13 Prozent erhöhten Risiko einher. Bei Männer bewirkt bereits eine Erhöhung des BMI von 4,3 Punkten einen vergleichbaren Anstieg des Risikos.

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Eine wichtige Rolle spielt vor allem der Taillenumfang: Das geringste Risiko fanden die Forscher bei Frauen mit einem Umfang von 74 Zentimetern, bei Männern mit 83 Zentimetern.

Das Risiko für Herz und Kreislauf wächst mit der Taille. "Möglicherweise kann das aber bei Menschen mit bestimmten Erkrankungen anders sein". Die Forscher sind sich allerdings auch bewusst, dass es für viele Menschen schwierig ist, ein gesundes Gewicht zu halten, vor allem im fortgeschrittenen Alter. Dies sei umso wichtiger, da WHO-Daten zeigten, dass fast die Hälfte der erwachsenen Weltbevölkerung übergewichtig sei - Tendenz steigend.

"Die Studie greift einen Aspekt auf, der seit Jahren durch die Literatur geistert", sagt Nikolaus Marx, Leiter der Kardiologie am Uniklinikum Aachen. Diese Aussage ist auch als das Adipositas-Paradoxon bekannt.

Dicke sportliche Menschen haben trotzdem ein erhöhtes Risiko.

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