Mertesacker: "Am liebsten sitze ich auf der Bank"

Einstellen Kommentar Drucken

Das Sommermärchen war für Mertesacker auch eine Qual, beim Halbfinal-Aus gegen Italien sei er zwar enttäuscht, aber auch erleichtert gewesen: "Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei". Ich weiß es noch, als wäre es heute. Das sagte er mit bemerkenswert offenen Worten dem "Spiegel".

Neben dem körperlichen Druck machte Mertesacker auch die Psyche zu schaffen.

Sein Körper habe seine gesamte Profikarriere hinweg an Spieltagen mit Brechreiz und Durchfall auf den Druck reagiert, führte der Profi des englischen Topklubs FC Arsenal aus. Für Mertesacker ein "ständiges Horror-Szenario, einen Fehler zu machen, aus dem ein Tor entsteht". Und dass er sich nach fast 15 Karrierejahren müde und ausgelaugt fühle.

Es ist sein letztes Jahr als Fußballprofi. Das kommt für ihn nicht infrage: "Am liebsten sitze ich auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne". Und: "Wie will er nach diesen Aussagen weiter im Profifussball tätig sein?" Im Internet zollten ihm viele Kommentatoren Respekt. Aus dem Fussball-Geschäft war jedoch auch Unverständnis zu hören.

Christoph Metzelder, 2006 Nebenmann von Mertesacker in der deutschen Innenverteidigung, sagte: "Ich habe die WM überhaupt nicht so empfunden".

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bezog in der gleichen Sendung besonders deutlich Stellung: "Nationalmannschaft spielt man freiwillig". Wie will er einem Fußballspieler diese Professionalität vermitteln, wenn er sagt, da ist zu viel Druck?

Weltmeister Per Mertesacker hat den enormen Druck auf die Fußball-Profis kritisiert und am eigenen Beispiel beschrieben. Mertesacker beklagt genau das.

"Mit über 30 werde ich zum ersten Mal in meinem Leben frei sein": Per Mertesacker. "Ich habe mir das ja so ausgesucht, keiner hat mich dazu gezwungen".

Per Mertesacker beendet in diesem Sommer seine Karriere. Er will seine Erfahrungen weitergeben - nicht nur die schlechten. Glauben Sie, unter den letzten 16 ist noch eine Karnevalstruppe? Der Sport war für ihn bis kurz vor Karrierebeginn nicht mehr als ein Hobby. Als besonders belastend empfand er die Heim-WM 2006. Er war darauf nicht vorbereitet.

Die Verletzungen seiner Karriere führt Mertesacker auch auf die hohe mentale Belastung zurück: "Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer".

Der 104-malige Nationalspieler erklärte, man lerne im Fußballgeschäft schnell, "dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber". "Selbst wenn du verletzt bist".

Comments