Hoeneß äußert sich zum Streit Müller-Wohlfahrt/Guardiola

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Als Arzt habe man die Verantwortung für seine Spieler zu tragen, so Müller-Wohlfahrt weiter, das habe Guardiola nicht nachvollziehen können, der selbst meinte, dass er aus Spanien eine andere Qualität gewohnt sei.

Fast 40 Jahre lang ist Dr. Müller-Wohlfahrt als Mannschaftsarzt für die Stars des FC Bayern München zuständig - dann allerdings kommt es 2015 zum heftigen Bruch mit dem damaligen Trainer Josep Guardiola.

Müller Wohlfahrt gefunden. Der Experte betreut neben den Münchnern auch die deutsche Nationalelf und internationale Weltklassesportler wie den Sprinter Usain Bolt. Sein Ruf ist tadellos - dennoch soll es nach einigen Aussagen während der gemeinsamen Zeit bei Bayern immer wieder Konfrontationen mit Guardiola gegeben haben. Die "Bild"-Zeitung zitiert aus Müller-Wohlfahrts bald erscheinendem Buch "Mit den Händen sehen: Mein Leben und die Medizin", in dem der Mediziner seinem Frust über die gescheiterte Zusammenarbeit Luft macht. Einerseits interessierte er sich absolut nicht für medizinische Fragen, verlangte aber andererseits von uns, Wunder zu vollbringen". "Er sah mich offenbar in der Rolle eines Befehlsempfängers, über den er jederzeit frei verfügen könnte". Beim FC Bayern München aber drehte er die Uhr gewaltig zurück. Er sei so weit gegangen, "dass er unser medizinisch durchdachtes, jahrelang bewährtes Vorbereitungsprogramm vor dem eigentlichen Fußballtraining auf den Kopf stellte". "Ich fühlte mich in meinem Ehrgefühl tief verletzt", berichtet Müller-Wohlfahrt, der die Bayern schliesslich nach 38 Jahren verliess. "Er wusste alles besser: fünf Minuten Aufwärmen im Schnelldurchlauf".

Müller-Wohlfahrt (r.) und Guardiola (l.) kümmern sich um den verletzten Philipp Lahm: Der Trainer habe "medizinische Wunder" verlangt, lautet ein Vorwurf des Bayern-Docs. "Doch das konnte nicht gut gehen", so Müller-Wohlfahrt.

Müller-Wohlfahrt erinnert sich: "Ich wurde ich vor versammelter Mannschaft lautstark angegriffen und für die vielen Verletzten verantwortlich gemacht". Bis der 75-Jährige eines Tages bei einem Gespräch "völlig die Beherrschung verloren" habe: "Ich habe Guardiola angeschrien und dann derart mit der Faust auf den Tisch gehauen, dass die Teller und Tassen nur so gescheppert haben". Zum ersten Mal in all den Jahren bin ich laut geworden.

Unter Guardiola habe sich die Zahl der Muskelverletzungen beim FC Bayern erhöht, berichtete Müller-Wohlfahrt. "Ich konnte nicht begreifen, dass ein Trainer, der so viele Lebensjahre zählte wie ich Berufsjahre bei den Bayern, mir und meiner Erfahrung keinerlei Gehör schenkte". Und rechnet nun mit Guardiola ab: "Ich halte Pep Guardiola für einen Menschen mit einem schwachen Selbstbewusstsein, der alles dafür tut, um andere darüber hinwegzutäuschen". Guardiola scheine "in ständiger Angst zu leben, nicht so sehr vor Niederlagen, sondern vielmehr vor dem Verlust von Macht und Autorität". Und Mull wiederum ist ein sehr stolzer Arzt, der nicht über seine erfolgreichen Behandlungsmethoden diskutieren möchte. Es fehlte der Puffer, der ich immer war.

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