Deutsche Post: Angestellte sollen mit Billig-Tochterfirma ausgelagert werden

Einstellen Kommentar Drucken

Verdi-Vizechefin Andrea Kocsis erklärte: "Wenn die Deutsche Post AG nach zwei Jahren Betriebspraxis erkennt, dass die Doppelstruktur von Regionalgesellschaften und Deutscher Post AG ein Irrweg ist, kann man dem Management nur anraten, sie ganz aufzulösen".

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" plant die Deutsche Post einen weitreichenden Konzernumbau.

Alle Zusteller der Deutschen Post sollen künftig unter dem Dach der Billig-Tochterfirma Delivery arbeiten, wie aus einem Welt-Bericht hervorgeht. Die Gewerkschaften sehen dahinter laut "Welt" das Ziel des Managements, Löhne zu drücken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Gewerkschaften lehnen den Plan allerdings vehement ab.

"Der Gemeinschaftsbetrieb ist tarifpolitisch äußerst brisant", erklärte sie.

"Wir befürchten, dass das Lohnniveau bei der Post auf Dauer abgesenkt werden soll", sagte Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM.

Daneben gibt es laut Gewerkschaft Verdi noch 7650 Paketzusteller, die nach dem bundeseinheitlichen Hausvertrag der Deutschen Post AG bezahlt werden.

Ein Deutsche-Post-Sprecher bestätigte, dass das Unternehmen seit einiger Zeit mit den Gewerkschaften in Diskussionen über die Umbaupläne sei. Im übrigen würden schon seit vielen Jahren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unterschiedlichen Lohn- und Gehaltsstrukturen im Unternehmen "reibungslos" zusammenarbeiten.

Laut einer internen Präsentation mit Stand Ende Februar, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, soll die Zusammenlegung schon zum 1. Mai umgesetzt werden. Die Beschäftigten in den 2015 gegründeten Delivery-Gesellschaften erhalten auch im Vergleich zum Wettbewerb attraktive Löhne nach dem jeweiligen Tarif der Speditions- und Logistikbranche. Zum Beispiel könnten Mitarbeiter bei einem hohen Krankenstand in einem Zustellbezirk schneller lokal an anderer Stelle eingesetzt werden. Betroffen seien die Bereiche Brief- und Paketzustellung. Während im Schnitt die Löhne bei DHL Delivery niedriger sind, gibt es vereinzelt Regionen in Süddeutschland, in denen DHL Delivery höhere Löhne zahlt als der Haustarifvertrag der Post.

Befürchtungen, die Pläne könnten nun zu Verzögerung bei den Tarifverhandlungen oder weiteren Warnstreiks führen, wurden von Gewerkschaftsseite zerstreut.

Die Gewerkschaften hatten im Jahr 2015 mit massiven Streiks versucht, diese Aufsplittung zu verhindern.

Comments