Zu viel Druck? Lothar Matthäus kontert Aussagen von Per Mertesacker

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Matthäus: "Wie will er noch im Profifußball tätig sein?"

London/Berlin. Groß wie ein Baum, unerschrocken im Zweikampf, ein nervenstarker Anführer - so ist das Bild von Per Mertesacker in der Öffentlichkeit. Nach der Saison beendet der gebürtige Hannoveraner seine Spieler-Karriere und wechselt in den Stab der 'Gunners' in London.

Sein Körper habe auf die hohe Erwartungshaltung vor jedem Spiel mit Brechreiz und Durchfall reagiert. "Ich muss dann einmal so heftig würgen, bis mir die Augen tränen".

Damit Trainer, Mitspieler und Gegner nichts mitbekommen, habe er in diesen Sekunden den Kopf stets zur Seite gedreht. Schnell habe er realisiert, "dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber. Endlich ist es vorbei", sagt er nun dem "Spiegel". In diesem Job müsse man bereit sein, seine "Gesundheit zu opfern".

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin erklärte der Innenverteidiger des FC Arsenal unter anderem, dass Verletzungen für Fußballer die einzige Möglichkeit seien "eine legitimierte Auszeit zu bekommen", um den Belastungen und dem Druck zu entkommen. Im Internet zollten ihm viele Kommentatoren Respekt für seine Offenheit. Aktuell lässt ein Knorpelschaden im Knie keine Spiele zu, aber das ist ihm ganz recht: "Am liebsten sitze ich auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne".

Mertesacker hat auch über den Druck bei der Heim-Weltmeisterschaft 2006 gesprochen. Das Halbfinal-Aus gegen Italien sei letztlich, so absurd das klingen mag, eine Erleichterung gewesen! Schon jetzt freue er sich auf sein Karriereende, "dann werde ich mit über 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben frei sein". Dieser Druck sei "unmenschlich" gewesen.

Sein damaliger Teamkollege Christoph Metzelder zeigte sich von den Aussagen überrascht. Während die Aussagen in der breiten Masse auf viel Verständnis trafen, kann Rekordnationalspieler Lothar Matthäus die Aussagen von Mertesacker nicht nachvollziehen. Wie will er einem Fußballspieler diese Professionalität vermitteln, wenn er sagt, da ist zu viel Druck?

Über das Thema Druck im Profifußball wird immer nur in kurzen Aufmerksamkeitsschüben diskutiert, so etwa nach dem Suizid des früheren Nationaltorwarts und Mertesacker-Freundes Robert Enke 2009. Ab dem Sommer wird er die Leitung der Nachwuchs-Akademie seines Clubs übernehmen. Er wolle in seinem neuen Job "das System angreifen" und den Jugendlichen auch auf dem zweiten Bildungsweg helfen.

Er ist Weltmeister, spielte lange in der Champions League: Per Mertesacker spricht über die Schattenseiten des Profifußballs.

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