Zecken-Virus breitet sich vermehrt nach Norddeutschland aus

Einstellen Kommentar Drucken

Gleichzeitig schütze die Impfung auch vor einer besonderen Art der FSME-Ansteckung: Die durch Rohmilch vor allem von Weidetieren. Gleichzeitig breitet sich die Krankheit nach Norden aus. Warum? Experten sind ratlos.

FSME-infizierte Zecken breiten sich in Deutschland weiter in den Norden aus.

Zwar trat ein Großteil aller Erkrankungsfälle im vergangenen Jahr in Süddeutschland auf, jedoch hätten sich Menschen auch an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, in privaten Gärten in Berlin oder auch in Stadtparks in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt.

Die Experten sagen aber auch: Dabei handelt es sich jeweils um wenige Einzelfälle.

Diesen Bericht können Sie als registrierter Nutzer kostenlos lesen. "Wir haben eine Dynamik, die wir nicht verstehen", sagte Gerhard Dobler, Leiter des Münchener Konsiliarlabors für FSME.

Vor dem 4. Süddeutschen Zeckenkongress präsentieren Wissenschaftler der Stuttgarter Universität Hohenheim derzeit ihre Erkenntnisse.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann zu Hirnhautentzündung führen und wird in der Regel durch Zeckenbisse übertragen.

Darüber hinaus können Zecken das FSME-Virus übertragen. Bei 100 Menschen, die von einer infizierten Zecke gebissen werden, bricht die Krankheit Experten zufolge bei 30 aus. Das Robert-Koch-Institut registrierte im vergangenen Jahr bundesweit fast 500 Erkrankungsfälle - und damit mehr als in den Jahren davor. "Der Trend ist die Schwankung", sagte eine Sprecherin.

Experte Dobler nannte eine Schwankungsbreite der letzten Jahre von bundesweit 250 bis 500 Erkrankungsfällen. Ungewöhnlich sei 2017, dass es nach Zählungen insgesamt weniger Zecken gab, jedoch mehr Erkrankungen. "Die Auswertung soll uns Aufschluss geben, wie sich die Situation in Deutschland ändert, ob wir aus der Zeckendichte auch ein Krankheitsrisiko ableiten können oder wann und wo die FSME-Gefahr im kommenden Jahr besonders hoch sein könnte", erklärte die Parasitologin. Ob ein Jahr zeckenreich wird, hängt von vielen Faktoren wie etwa dem Wetter ab. Zuverlässigen Schutz vor FSME bietet Experten zufolge nach wie vor nur eine Impfung.

Ursache der hohen FSME-Zahlen 2017 sei vermutlich das Sommerwetter: "Erst gab es eine Kältewelle, dann war es zwei Wochen sehr warm und dann gab es einen Krankheitsausbruch", wird Professor Ute Mackenstedt von der Universität in der Mitteilung zitiert. Offenbar habe es die Menschen nach der Kälte ins Freie gezogen - und das genau in der jahreszeitlichen Hochphase des Gemeinen Holzbocks, eine der FSME-übertragenden Zeckenarten.

In den 1950er Jahren seien FSME-Erkrankungen durch infizierte Rohmilch deshalb vergleichsweise häufig gewesen. Nachdem 2016 zwei Menschen in Deutschland nach dem Genuss von Rohmilchkäse erkrankten, waren im vergangenen Jahr acht Menschen nach dem Genuss von Ziegenrohmilch betroffen.

Comments