Viele Eltern unterschätzen Zuckergehalt von Lebensmitteln

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"Es ist wichtig, dass Eltern als Ernährungsentscheider über den Zuckergehalt von Lebensmitteln und Getränken Bescheid wissen", sagte Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs "Adaptive Rationalität" am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Das kann Auswirkungen auf das Gewicht der Kinder haben, berichten Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) und der Universität Mannheim im "International Journal of Obesity". Zudem ermittelten sie den Body-Mass-Index der Kinder. Das Ergebnis: Mehr als 70 Prozent der Eltern unterschätzte den Zuckeranteil deutlich - und deren Kinder waren dann eher übergewichtig.

Wie viel Zucker in Lebensmitteln steckt, wird von der Mehrheit der Eltern falsch – in der Regel zu gering – eingeschätzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal 50 Gramm freien Zucker am Tag. In Deutschland sind es im Schnitt fast doppelt so viele.

Diese Nachricht wurde am 27.02.2018 im Programm Deutschlandfunk Nova gesendet. Insgesamt nahmen 305 Eltern-Kind-Paare an der Studie teil, die Kinder waren zwischen sechs und zwölf Jahre alt. "Nur so können sie den kindlichen Zuckerkonsum regulieren und eine gesunde Ernährung bieten". Die Eltern sollten den Zuckergehalt von sechs gängigen Nahrungsmitteln und Getränken in Zuckerwürfeln schätzen: Orangensaft, Cola, Pizza, Joghurt, Müsliriegel und Ketchup. Es zeigte sich, dass 74 Prozent der Eltern den Zuckergehalt der meisten Nahrungsmittel und Getränke teils erheblich unterschätzten. Das entspricht 60 Prozent der Gesamtzuckermenge des Fruchtjoghurts im Test. Bei Getränken wie Orangensaft gingen immerhin 84 Prozent von einem niedrigeren Zuckergehalt aus. Lediglich bei Müsliriegeln und Ketchup überschätzten mehr Eltern den tatsächlichen Zuckergehalt.

Transparente und auf den ersten Blick verständliche Kennzeichnungen könnten Eltern dabei helfen, den jeweiligen Zuckergehalt ohne große Mühe in richtiger Weise einzuschätzen, betonen die deutschen Experten. "Möglichkeiten sind ein Ampelsystem - das sicher noch nicht perfekt ist - oder das aus Skandinavien bekannte Keyhole-Siegel, das Produkte mit weniger Fett, Zucker und Salz kennzeichnet", sagt Ralph Hertwig.

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