Einsam und arm - Jeder dritte Alleinstehende von Armut bedroht

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Zehn Jahre zuvor waren nur 21,5 Prozent, das heißt, gut ein Fünftel aller Alleinstehenden armutsgefährdet.

Die Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Eurostat-Zahlen ausgewertet hat, sagte: "Armut breitet sich zunehmend in Deutschland aus".

In Deutschland galten 2015 rund 16 Millionen Menschen als alleinstehend. Die Zahl der Alleinerziehenden stieg binnen 20 Jahren zudem um mehr als 300.000 auf über 1,6 Millionen.

Der Untersuchungsbericht einer Einsamkeits-Kommission, die dem Regierungsposten in Großbritannien vorausging, kam zu dem klaren Schluss: Einsamkeit ist genauso gesundheitsschädigend wie täglich 15 Zigaretten. Demnach sind von den Überschuldeten 36,2 Prozent alleinlebende Männer, 24 Prozent alleinlebende Frauen, 23,9 Prozent Paare und 15,2 Prozent Alleinerziehende. Besonders riskant ist die Lage bei alleinstehenden Selbstständigen ohne festes Monatsgehalt, wie Ulbricht der dpa sagte. Nicht nur die Zahl der Alleinstehenden steigt, sondern auch die Zahl der Alleinstehenden, die von Armut bedroht sind. Im EU-Vergleich habe Deutschland einen ausgeprägten Niedriglohnsektor. In mehr als zwei von fünf Haushalten leben Alleinstehende (40,8 Prozent).

Diakonie-Präsident Lilie spricht von einer Abwärtsspirale bei vielen Alleinerziehenden. "Viele müssen quasi rund um die Uhr arbeiten und sich um die Kinder kümmern", sagte Lilie. Eine soziale Notlage gehe so oft mit zunehmender Vereinsamung einher. "Eine neue Bundesregierung muss hier einen Schwerpunkt setzen", so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Verdi-Chef Bsirske begrüßte, dass Union und SPD in ihrer Koalitionsvereinbarung das Rentenniveau stabilisieren und Altersarmut bekämpfen wollen. Fast ein Drittel (32,9 Prozent) von ihnen lebte 2016 gefährlich nah an der Armutsgrenze. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung". Sie forderte unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohn auf zwölf Euro, ein Verbot von Leiharbeit und von sachgrundlosen Befristungen. Die Politik sei gefordert, beitragsfreie Kitas zu schaffen und Ganztagsbetreuung auch für Schüler auszubauen.

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