Behörden schließen McDonald's-Schlachthof

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Vom Veterinäramt gesichtete Überwachungsvideos hätten Anlass zum sofortigen Handeln gegeben, so ein Sprecher des Landratsamts. Der Schlachthof in Tauberbischofsheim (Baden-Württemberg) wurde am Mittwoch von den Behörden geschlossen. Diese Regelung gelte "so lange, bis vom Betreiberunternehmen ein Maßnahmenkatalog zur konsequenten Einhaltung aller Erfordernisse des Tierschutzes vorgelegt und die Umsetzung durch unser Veterinäramt überprüft wurde".

Aufgedeckt hat die Missstände im Schlachthof der Verein Soko Tierschutz. Rinder werden bei unzureichender Betäubung zum Entbluten an Haken gehängt, mit Elektrotreibern malträtiert und extremer Gewalt ausgesetzt.

Das Unternehmen OSI mit Europa-Sitz in Gersthofen bei Augsburg ist ein Lieferanten des Franchise-Unternehmens. In dem Schlachthof werden täglich rund 200 Rinder geschlachtet, 30 Prozent des Fleisches bezieht McDonald's. Das Unternehmen äußerte sich zu den aus ihrer Sicht gravierende Verfehlungen in dem Schlachtbetrieb, die für sie nicht akzeptabel sein. Wir haben den Bezug von Fleisch von besagtem Schlachthof unmittelbar nach Kenntnis der Vorwürfe bis auf weiteres einstellen lassen. "Eine vollumfassende Klärung der Vorwürfe ist uns sehr wichtig", heißt es in einer Stellungnahme.

Offenbar kommen die Vorwürfe der Tierschützer auch diesmal nicht ganz überraschend: Die OSI Group hat nach Angaben von McDonald's bereits Ende des letzten Jahres ein Maßnahmenpaket entwickelt, um die zusätzlichen, freiwilligen Audits - welche neben den gesetzlichen Kontrollen stattfinden - weiter zu verbessern. Seit Mitte 2017 ist dieser Schlachtbetrieb im Besitz der OSI Gruppe. Der Geschäftsführer der OSI Europe Foodworks, Erik Schöttl, teilte stern TV mit: "Wir haben Hinweise auf eine exzessive Elektrotreiber-Nutzung und unangemessene Treiber-Platzierung". Weiter erklärte Schöttl: "Wir nehmen bei OSI unsere Verantwortung für den Tierschutz sehr ernst und werden es keinesfalls akzeptieren, wenn ein Betrieb unsere hohen Standards nicht vollständig erfüllt".

Grund für die Schließung waren vom Verein "Soko Tierschutz" mit versteckten Kameras gedrehte Bilder. Von A bis Z, von klein bis groß, von bio bis konventionell. Ich kann nur sagen: "Schlachthöfe in Deutschland sind ein rechtsfreier Raum und ein Totalversagen des gesamten Systems", sagte der Tierschützer. Kai Braunmiller, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Fleischhygiene gegenüber Stern TV.

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