Als Heldin gefeiert, als Provokateurin vor Gericht

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Ofer/Jerusalem. Der Prozess gegen die 17-jährige Palästinenserin Ahed Tamimi vor einem israelischen Militärgericht wegen Angriffen auf israelische Soldaten ist nach wenigen Stunden vertagt worden. Ein Foto aus dem Jahr 2012 zeigt, wie Tamimi einen israelischen Soldaten mit geballter Faust provoziert. Beide Frauen müssen während des Prozesses in Haft bleiben. Die palästinensische Gesellschaft sehe "das Begehen von Straftaten als etwas Positives", gab Hirsch zu bedenken.

Tamimi war im vergangenen Dezember festgenommen worden, nachdem sie in ihrem Dorf Nabi Saleh im besetzten Westjordanland zwei israelische Soldaten attackiert hatte. Es sei nicht Tamimi, die angeklagt werden sollte, sondern die seit 50 Jahren dauernde israelische Besatzung der Palästinensergebiete. Die israelischen Militärgerichte sind für die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten zuständig, weswegen der Fall dort verhandelt wird. Die Anwältin hatte schon vor Prozessbeginn erklärt, dass das israelische Gerichtssystem ungerecht gegenüber den Palästinensern sei. Er rechne mit einer Haftstrafe von mindestens einem Jahr für die junge Palästinenserin. Der 15-Jährige Cousin benötigte eine Operation, bei welcher Teile seines Schädels entfernt werden mussten, wie die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete.

Tamimis Handgemenge mit den israelischen Soldaten ereignete sich inmitten von Protesten gegen die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch US-Präsident Donald Trump. Dutzende bekannte Größen aus der amerikanischen Protestszene, unter ihnen Angela Davis und Alice Walker, setzen sich ebenso für die Freilassung von Tamimi ein.

Wenn nicht irgendeine versteckte Kamera gefilmt hätte, wie sie, hinter sich ihre Mutter und eine Cousine, recht rabiat zwei israelische Gefreite in Kampfmontur vom Hof scheuchte, wäre vermutlich auch die Sache mit dem israelischen Soldaten im Sande verlaufen. "Es ist eindeutig, dass Ahed Tamimi keine tatsächliche Bedrohung darstellt und dass ihre Bestrafung völlig unverhältnismässig ist". Auch das UNO-Menschenrechtsbüro hat Israels Behörden wegen des Falls kritisiert. Amnesty fordert die sofortige Freilassung der Jugendlichen. Ihre Haft sei "der verzweifelte Versuch, palästinensische Kinder einzuschüchtern, die es wagen, sich gegen die Unterdrückung durch Besatzungstruppen aufzulehnen".

Tamimi ist kein Einzelfall. Derzeit befinden sich laut Menschenrechtsorganisationen mehr als 300 minderjährige Palästinenser in israelischer Haft. Im Oktober 2015 hatte eine Welle palästinensischer Anschläge auf Israelis begonnen, unter den Tätern waren auch viele Minderjährige.

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