Merkel verteidigt Verlust des Finanzressorts

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Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt ihren Kritikern in einem Interview mit dem ZDF entgegen. "Ich gehöre zu den Menschen, die Versprochenes einhalten", sagte sie bei einer Aufzeichnung der ZDF-Sendung Berlin direkt. "Aber es ist aus meiner Sicht auch akzeptabel". "Wir haben seitens der CDU einen Preis gezahlt für diese Regierung", gab die Kanzlerin zu. Andernfalls wären die Koalitionsgespräche gescheitert.

"Die Alternative wäre gewesen, dass wir den Menschen hätten sagen müssen, in der Sache haben wir einen Koalitionsvertrag, aber wir können uns leider auf die Ressorts nicht einigen". "Das war nicht verantwortbar".

►Der langjährige CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach kritisiert, dass die SPD das Finanzministerium übernehmen soll.

In der CDU rumort es: Die Kritik an dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl im September war während der Verhandlungen über eine Regierungsbildung zwar zunächst verstummt.

Spahn selbst war zuvor von konservativen CDU-Mitgliedern nach der Wahl als mögliches Mitglied in einem neuen Kabinett Merkel gehandelt worden.

Merkel zufolge sind die Grundzüge der Finanzpolitik im Koalitionsvertrag vereinbart. Auch Spahn, derzeit noch geschäftsführender Finanz-Staatssekretär, nannte den Verlust der Ministerien einen "harten Schlag". Die CDU-Vorsitzende betonte zudem, dass ihre Partei nun wieder das Wirtschaftsministerium besetze und der Bereich Bauen in das CSU-geführte Innenministerium geholt worden sei. "Für mich gehören diese beiden Ämter in eine Hand, um auch eine stabile Regierung führen zu können", sagte die Parteichefin.

"Daher stehe ich vollkommen zu dieser Entscheidung, in den frühen Morgenstunden zu sagen, dieses Land braucht eine Regierung", hob Merkel hervor. "Die Alternativen sind nicht besser".

Hintergrund sind Forderungen aus der CDU, dass Merkel ihre Nachfolge vorbereiten soll. Dies bezog sich auch auf die Besetzung von Ministerposten in einer großen Koalition. Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, vermisst neuen Namen auf der Liste möglicher CDU-Minister. "Ich denke, dass wir da gute Lösungen finden". Auf die Bemerkung von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil zu den Koalitionsverhandlungen: "Wenn wir noch einen halben Tag länger gemacht hätten, dann hätten die uns wahrscheinlich das Kanzleramt auch noch gegeben" entgegnete Merkel: "So ein SPD-Generalsekretär muss auch mal ein paar nette Worte sagen in diesen Tagen". Es sei normal, dass sich eine Partei Gedanken mache, wenn jemand wie sie bereits zwölf Jahre Bundeskanzlerin sei. Sie nahmen dabei auch die Frage in den Blick, wer Merkel in den nächsten Jahren nachfolgen könnte.

Nach dem Rückzug von SPD-Parteichef Martin Schulz entbrannte zudem eine Diskussion über den geplanten Stabwechsel an Andrea Nahles und die künftige Besetzung des Aussenministeriums.

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