Zeitung: Abgasversuch auch mit Menschen

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Die EUGT war zuletzt wegen eines Abgas-Experiments mit Affen in den USA in die Kritik geraten, für das sich VW inzwischen entschuldigt hat.

Die EUGT war im Jahr 2007 als unabhängiges Forschungsinstitut von BMW, Daimler, Volkswagen und Bosch gegründet worden. "Sollten damalige Verantwortliche noch an Bord sein, dann müssen personelle Konsequenzen geprüft werden". Die Verantwortlichen sollten umgehend ermittelt werden.

Erst wurden Abgas-Versuche mit Affen bekannt, nun auch mit Menschen. Die Studie sollte zeigen, dass moderne Abgasreinigung die Schadstoffbelastung verringere.

Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten. Der Konzern teilte mit, er sei der Überzeugung, dass die damals gewählte wissenschaftliche Methode falsch gewesen sei. "Es wäre besser gewesen, auf eine solche Untersuchung von vornherein zu verzichten", teilte VW mit. Volkswagen distanzierte sich klar von jeder Form der Tierquälerei. "Wir entschuldigen uns für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung Einzelner". Nach Informationen unserer Zeitung förderte die "Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" (EUGT) ein Experiment, bei dem sich Probanden dem Reizgas Stickstoffdioxid aussetzten; Autoabgase gelten als dessen wichtigste Quelle. Stickstoffdioxid wirkt reizend auf Schleimhäute in den Atemwegen und die Lunge. Dies stehe in einem als Tätigkeitsbericht für die Jahre 2012 bis 2015 herausgegebenen Report.

Bei der 2016 veröffentlichten Studie hätten an einem Institut des Uniklinikums Aachen 25 junge, gesunde Personen über mehrere Stunden das Gas in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet und seien anschließend untersucht worden. Die EUGT stellte demnach keine Wirkung fest.

Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus erklärte dem Bericht zufolge, die 2016 veröffentlichte Studie sei nur bedingt aussagekräftig. Zum einen ließen sich die Befunde nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen. Der Konzern setze sich für eine "umfassende Untersuchung" ein.

Der Konzernbetriebsratschef von Volkswagen, Bernd Osterloh, forderte derweil Aufklärung über die Versuche an Affen. "Wenn das so stimmt, dann hat das mit einwandfreiem ethisch-moralischen Verhalten nichts, aber auch gar nichts zu tun", sagte Osterloh der Zeitung. Das ging aus einem Bericht der "New York Times" hervor, die sich auf Gerichtsunterlagen und Regierungsdokumente stützt. Die Zeitung berichtete, 2014 seien die Tiere vier Stunden lang in Räumen mit Auspuffgasen eines - mit manipulierter Abgastechnik ausgestatteten - VW Beetle eingesperrt gewesen. Für die Tests waren Affen gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden.

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