Zahl der Organspender geht 2017 deutlich zurück

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In der Historie der Stiftung sei das, gerechnet ohne die Anfangsjahre der Organspende vor mehr als 30 Jahren, noch nie passiert.

Die Zahl der Organspender ist in Deutschland im vergangenen Jahr erneut gesunken.

In Deutschland ist die Zahl der Organspenden auf ein historisches Tief gesunken. Nachdem 2016 noch 834 Menschen gespendet hatten, fiel die Zahl der Spender 2017 auf 769, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Samstag) berichtet. Dies gehe aus dem noch unveröffentlichten Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant hervor. Auch die Zahl der Lebendspenden sank von 659 im Jahr 2016 auf 620 im Jahr 2017.

Die Zahl der Spender, denen tatsächlich Organe entnommen wurden, lag demnach bei 9,3 pro Million Einwohner und somit unter der kritischen Marke von 10 pro Million Einwohner, welche international als Voraussetzung für ein ernst zu nehmendes Organspendesystem gilt. Die Zahl der transplantierten Organe von hirntoten Spendern fiel auf nur noch 2.664.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte auf Anfrage das fehlende Interesse der Regierungsparteien an der Transplantationsmedizin. "Diese Dramatik kommt in den Sondierungsgesprächen für eine Neuauflage der Großen Koalition mit keinem Wort vor", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Vor 20 Jahren spendeten in der Region noch 167 Menschen Organe. Brysch forderte, den Spendermangel zu einem Thema bei den Koalitionsverhandlungen zu machen.

Deutschland gehört damit europaweit zu den Schlusslichtern und profitiert durch die höhere Spendenbereitschaft in anderen Ländern. Nur Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Albanien haben noch weniger Spender.

"Leider werden wir erstmals unter die Marke von zehn Spendern pro eine Million Einwohner rutschen". Zum Vergleich: Mit 46,9 Spendern ist Spanien bei Spenden und Transplantationen weltweit führend. 2017 gab es in den drei Bundesländern lediglich 96 Spender, ein Jahr zuvor waren es noch 121 gewesen. Denn Herzen, Lebern und Nieren gelangten 2017 ebenso wie in den Vorjahren über den Eurotransplant-Verbund an deutsche Kliniken. Ohne diese sähe es für die hiesigen Patienten noch schlechter aus. Die Situation sei "zutiefst besorgniserregend", so der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel.

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