Berliner Ausbrecher stellt sich

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Das Haus, dass an eine ältere, unschöne Stadtvilla erinnert, liegt direkt am Friedrich-Olbricht-Damm. Es sieht nicht so aus, wie man sich ein Gefängnis gern vorstellt. Die Gefangenen konnten über einen Lüftungsspalt in der Mauer fliehen. Fünf weitere Häftlinge sind noch auf der Flucht. "Bagatellsachen", sagt JVA-Chef Uwe Meyer-Odewald. Er ist in Erklärungsnot geraten.

DEUTSCHLAND ⋅ Fünf Tage nach einem aufsehenerregenden Ausbruch aus einem Berliner Gefängnis ist einer der Ausbrecher freiwillig zurückgekehrt. Einer der Freigänger war den Angaben zufolge am Montag wieder gefasst worden. Den Weg zu dem Spalt hatten sie sich mit aus einer Werkstatt entwendetem schweren Gerät gebahnt.

Zwar kehrte einer der beiden noch am selben Abend in die Haftanstalt zurück, und auch einer der vier Ausbrecher vom Dezember stellte sich am Dienstag der Polizei.

Damit sind derzeit noch drei Männer auf der Flucht. Bei allen handelt es sich um Männer mit Ersatzfreiheitsstrafen - sie sitzen also im Gefängnis, weil sie eine Geldstrafe nicht zahlen konnten. "Wir haben schmerzlich erfahren, dass es eine Schwachstelle gab", sagte Behrendt. "Ich weiß, wir müssen da besser werden". Ein Sprecher des Senators sagte, man habe die Männer beim Zählappell nicht angetroffen. Deswegen seien die Sicherheitsvorkehrungen völlig anders als im geschlossenen Vollzug. Abhauen ist "ohne größere Mühe möglich", wie seine Behörde mitteilt. In den Jahren zuvor waren es zwischen zehn und 43. Von dort waren fünf Insassen verschwunden, von denen zwei wieder auftauchten. Oft werden sie erwischt.

Die Opposition reagiert mit Rücktrittsforderungen. Denn der vorherige Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) habe bei Rücktritten nach Gefängnisausbrüchen "die Preise versaut". Die CDU will Behrendt nun am 10. Januar im regulär tagenden Rechtsausschuss befragen. Und selbst in der SPD hält man sich mit deutlicher Kritik am grünen Regierungspartner nicht mehr zurück.

Wenn Behrendt nicht noch relevante Fehler unterlaufen, dürfte dies kaum passieren. Noch am Tag des Ausbruchs der vier Häftlinge mit Hammer und Flex am 28. Dezember vergangenen Jahres war den Gefängniswärtern aufgefallen, dass sich ein weiterer Häftling nicht aus dem offenen Vollzug zurückgemeldet hatte. So sei mehr Personal für die Sicherung des Außenbereichs eingesetzt. Sie wird vom Präsidenten des Amtsgerichts Tiergarten, Hans-Michael Borgas, geleitet und schnell Ergebnisse präsentieren.

Bereits zweimal saß der 33-Jährige wegen Diebstahls im Gefängnis. Behrendt sagte, in Plötzensee sei offenbar die Videoüberwachung problematisch. Trotzdem wurde zu spät Alarm ausgelöst.

Aber auch beim Personal werde man aufstocken, versprach der Senator. Mit der Ausbildung von 200 Justizvollzugsbeamten werde bis Ende 2019 das Stellensoll erfüllt. Die über zwei Jahre ruhende Ausbildung habe "eine Lücke gerissen".

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