Wie steht ihr zum neuen "Familienbonus Plus"?

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Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte, für Familien mit geringen Einkommen werde es eine Anhebung des Alleinerzieherabsetzbetrags und des Alleinverdienerabsetzbetrags geben.

FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache sprach überhaupt von der "größten Familienentlastung in der Geschichte Österreichs". Laut Finanzminister Löger sollen 700.000 Familien mit 1,2 Millionen Kindern vom Kinderbonus profitieren. Kritik gab es umgehend aus der Opposition von SPÖ und NEOS.

Trotz aller vorgebrachter Bedenken: Diese Reform der Familienförderung ist eine spürbare und dringend notwendige Entlastung. Geplant ist, dass der Alleinerzieher- und der Alleinverdienerabsetzbetrag erhöht werden. Wie hoch diese Erhöhung ausfallen soll, ist jedoch noch nicht bekannt.

Wer keine Steuern abliefert, weil er wenig verdient, der soll nun ebenfalls profitieren. Zumindest bei Alleinverdienenden und Alleinerziehenden, auf die das zutrifft, gab die Regierung jetzt an, nachgebessert zu haben. Man habe "bewusst" Alleinerziehende berücksichtigt, die Geringverdienenden sollen von einer Erhöhung des Alleinerzieher- und Alleinverdienerabsetzbetrages profitieren, sagte Kurz. Natürlich solle der Familienbonus denjenigen zugutekommen, "die das Kind erziehen, bei denen das Kind wohnt", sagte Kurz. Hier brauche es aber Änderungen im Unterhaltsrecht, an denen noch gearbeitet werde. Bis 24-Jährige werden besser aussteigen als in der Vergangenheit, die Schwerpunktsetzung gelte aber Eltern, die arbeiten gehen und Kinder bis 18 Jahre haben, so der Kanzler. Die FPÖ fordere seit zwölf Jahren Steuerentlastungen für Familien, und heute werde genau dies umgesetzt, frohlockte er. Das Modell sei daher auf jene abgestellt, die hier arbeiten: "Das ist fair und sozial gerecht".

Längst überfällig ist für Manfred Haimbuchner auch die Neuregelung der Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder, damit sich zukünftig die Auszahlung der Familienbeihilfe an den dortigen Lebenserhaltungskosten orientiert.

Fix ist, dass durch den "Familienbonus" der bisherige Kinderfreibetrag entfallen wird.

Für getrennt lebende Eltern, die Unterhalt leisten, soll der Familienbonus nach der gegenwärtigen Regelung des Kinderfreibetrages auf beide Eltern aufgeteilt werden, mit dem Ziel, "die Bedürfnisse des Kindes bestmöglich abzudecken". Der Freibetrag und die Absetzbarkeit von Betreuungskosten reduzierten allerdings nur die Bemessungsgrundlage, anhand derer die Einkommensteuer berechnet wird. Steuerexperte Werner Doralt sieht etwa Alternativen. Aus Sicht der Agenda Austria kommt es für Familien mit sehr niedrigen Einkommen vor allem darauf an, Berufstätigkeit und Betreuung der Kinder unter einen Hut zu bringen. Woher das Geld dafür kommt, lässt die Regierung heute allerdings offen. Im Regierungsprogramm ist davon die Rede, dass Kinderabsetzbetrag und Familienbeihilfe "zusammengeführt" werden sollen.

Kurz nannte auch erste Rechenbeispiele. So würden bei einem Bruttoeinkommen bis 1.700 Euro künftig keine Steuern gezahlt, sagte Kurz. Familien mit zwei Kindern und einem Einzeleinkommen von 2.300 Euro brutto ersparten sich 3.000 Euro Steuerlast und damit ebenfalls 100 Prozent der Lohnsteuer. Euro (2013). Mit 2,9 % des BIP entsprachen sie 2013 knapp dem Wert des Jahres 2006 (drei Prozent).

Ab 1. Jänner 2019 erhalten Familien, die Einkommenssteuer zahlen, pro Kind (bis zum 18. Lebensjahr) und Jahr eine Steuergutschrift von 1.500, - Euro. Als Voraussetzung für den Bonus gilt aber auch, dass die Kinder in Österreich wohnhaft sein müssen. Für Studenten sei ein reduzierter Familienbonus in Höhe von 500 Euro pro Kind angedacht. In einem Haushalt kann der Absetzbetrag wahlweise von einem Partner in Anspruch genommen werden oder auf beide Partner verteilt werden.

Einen Gesetzesvorschlag hat der Ministerrat am Mittwoch freilich noch nicht beschlossen.

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