Fluchtwelle im Nordwesten Syriens immer größer - Strom Richtung Türkei

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Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden allein seit Dezember fast 100.000 Menschen aus diesem Gebiet vertrieben. Ende vergangener Woche hatten die UN noch von rund 70.000 Vertriebenen aus dieser Region gesprochen. So sind in der von Rebellen kontrollierten Enklave Ost-Ghuta nach Schätzungen rund 400.000 Menschen eingeschlossen. Damit werde die Türkei verhindern, dass die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens einen "Terror-Korridor" einrichte, sagte Erdogan. Die Sicherheit von Hunderttausenden Zivilisten sei gefährdet. Laut einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu stehen regierungstreue Einheiten neun Kilometer vor dem von Rebellen gehaltenen Luftwaffenstützpunkt Ebu Zuhur und damit rund 50 Kilometer südlich der türkischen Truppen in Idlib. Der Angriff richtet sich gegen die islamistische Miliz Hayat Tahrir al Sham (HTS), die dem Terrornetzwerk Al Kaida nahesteht und die weite Teile von Idlib beherrscht. Die Offensive hat eine Massenflucht aus mindestens 90 Dörfern und Kleinstädten in der an die Türkei grenzenden Provinz Idlib ausgelöst. Zuletzt gingen dort jedoch die Streitkräfte der Regierung in die Offensive und die Gewalt eskalierte.

Nutznießer der syrischen Offensive in der Provinz Idlib ist paradoxerweise auch der sogenannte Islamische Staat (IS).

Syrische und russische Jets fliegen Aktivisten zufolge seit Tagen intensive Luftangriffe auf Rebellenenklaven. So ereignete sich nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) am Sonntag eine heftige Explosion im Hauptquartier der Gruppe Adschnad al-Kaukas (zu deutsch: Soldaten des Kaukasus) in der Provinzhauptstadt Idlib.

"Es ist eine große Welle fliehender Menschen", sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Violet Syria, Nur Awad. "Sie flüchten mit nichts anderem als ihren Kleidern am Leib". Awad zufolge mangelt es vor allem an Unterkünften. Die Rebellengruppe FSA erklärte, die Aufständischen hätten eine gemeinsame Kommandozentrale eingerichtet, um die Regierungsoffensive zurückzuschlagen und Gebiete im Nordosten der Provinz Hama sowie in Idlib wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Demnach haben die meisten Vertriebenenlager in der Region ihre Kapazität erreicht. Die Situation sei schon vor der neuen Fluchtwelle sehr schwierig gewesen. Eine offenbar von Russland abgesegnete Offensive syrischer Regierungstruppen in der Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze lässt bei der türkischen Regierung die Alarmglocken schrillen.

Jüngst im Südwesten Syriens: Mit Bussen und Krankenwagen dürfen Dschihadisten, die der Terrororganisation Al-Qaida nahestehen sollen, sowie ihre Familien das belagerte Dorf Beit Jin verlassen, insgesamt rund 300 Menschen. "Wir haben sie daran erinnert, dass sie die Garantiemächte des Regimes sind".

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock hatte am Dienstag seinen ersten Besuch in Syrien seit Amtsantritt begonnen.

Im Nordosten Syriens wird sich die Lage in absehbarer Zeit ebenfalls zuspitzen: Ankara kündigte an, in die kurdischen Regionen Afrin und Manbij einmarschieren zu wollen.

Doch die Lage in Idlib demonstriert, dass auch die Allianz mit Russland für die Türken nicht unkompliziert ist: Während Ankara vor allem die Kurden in Syrien aufhalten will, liegt die Priorität für Moskau in der Hilfe für den syrischen Staatschef Baschar al Assad. Dort soll über eine Nachkriegsordnung für das Krisenland verhandelt werden.

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