Cavusoglu besucht Gabriel am Samstag in Goslar

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Was Gabriels Anschmiegen an die türkische Regierung sicherlich nicht vermag: Die Türkei wieder in den Club der Vernunft zurückführen. Dabei äußerte sich auch Außenminister Çavuşoğlu immer wieder. Die jüngsten Entwicklungen in der Türkei erlaubten keine Fortschritte. Auch Cavusoglu betonte, Ziel sei weiter die EU-Mitgliedschaft.

"Die großen Anträge, die die Türkei derzeit an uns stellt - und das sind wirklich nicht wenige - haben wir alle 'on hold' gestellt", sagte er. Ankara werde nicht ewig warten.

Einen kleinen Eklat gab es derweil bei der Pressekonferenz in Paris. "Pass bloß auf", raunzte Erdogan den Reporter Laurent Richard an. "Und rede nicht mit den Worten eines anderen". Danach könnte das höchste türkische Gericht einen Beschluss fällen.

Goslar/Berlin Sigmar Gabriel und sein türkischer Ministerkollege Cavusoglu bemühen sich um besseren Beziehungen. Die Treffen waren 2016 nach der Ausrufung des Ausnahmezustands in der Türkei von deutscher Seite ausgesetzt worden. Das Treffen der Minister sei Ausdruck der Bemühungen, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei wieder in normales Fahrwasser zu bringen, sagte sie. In einem Gastbeitrag für die Zeitungen der Funke Mediengruppe rief er am Freitag dazu auf, "die gegenwärtige Krisenspirale in unserem Verhältnis" zu durchbrechen. Trotzdem hat Außenminister Gabriel den türkischen Außenminister jetzt empfangen - mit Tee im heimischen Wintergarten.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu geben im Rittersaal der Kaiserpfalz in Goslar ein Pressestatement.

In Deutschland sorgten die von Erdogan nach dem Umsturzversuch ausgerufenen "Säuberungen" - die bis heute andauern - für Irritation. So ist der zwischenzeitlich inhaftierte Menschenrechtler Peter Steudtner wieder in Deutschland. Die Türkei hatte dies kritisiert. "Auch hier hat die türkische Justiz auf unsere Bitten hin reagiert". Zuletzt seien "Entspannungssignale" zu erkennen gewesen, auch mit Blick auf die Haftfälle. Gabriel sagte, man wolle den Wirtschaftsministern empfehlen, die bilaterale Wirtschaftskommission nach längerer Pause wieder einzuberufen.

Unverändert in Haft bleiben allerdings sieben weitere Deutsche, bei denen die Bundesregierung von "politisch motivierten Vorwürfen" ausgeht.

Erdogan hatte Yücel im März vorgeworfen, ein "deutscher Agent" und ein "Terrorist" zu sein. Grünen-Chef Cem Özdemir forderte erneute Yücels Freilassung. Ob davon auch Deniz Yücel profitieren wird, der sich in seiner Untersuchungshaft wie eine "Geisel" fühlt, ist schwer abzusehen. Der Korrespondent der "Welt" müsse freigelassen werden: "Vorher kann es keine Rückkehr zu einem halbwegs normalen Verhältnis kommen". Zugleich bekräftigte Cavusoglu, seine Regierung habe "gewisse Erwartungen" an die Bundesregierung, unter anderem beim Vorgehen gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK).

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind in der Türkei aktuell 50 Deutsche inhaftiert.

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