Eva Sangiorgi beerbt Hans Hurch als neue Intendantin der Viennale

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Sie sei bisher in Jurys mehrerer bedeutender Filmfestivals gesessen und habe auch als renommierte Programmiererin über Jahre hinweg bei vielen unterschiedlichen Festivals mitgewirkt.

Nun ist es amtlich: Die neue künstlerische Leiterin des größten österreichischen Filmevents heißt Eva Sangiorgi. Nach ihrer Übersiedelung nach Wien im März werde die neue Direktorin aber Deutschkurse besuchen und sei sehr motiviert, die Landessprache zu erlernen, beruhigte Eva Rotter. Die Neubesetzung war notwendig geworden, nachdem Langzeitintendant Hans Hurch im Vorjahr überraschend verstorben war.

Die Tatsache, dass das Prozedere der Bestellung im Vorfeld für Diskussionen sorgte, indem seitens der Viennale bereits vor der Entscheidungsfindung eine internationale Lösung als "fantastisch" bezeichnet wurde, die auch Hans Hurch "bevorzugen würde", werteten Viennale-Interimsdirektor Franz Schwartz und Geschäftsführerin Eva Rotter als österreichische Debatte: Wichtiger sei es gewesen, sich in keiner Weise von der Nationalität beeinflussen zu lassen. Dass die neue Viennale-Spitze weiblich ist, dürfte auf allgemeinen Anklang stoßen. Sangiorgi sei eine "Größe des Festivalgeschehens", die international vernetzt, anerkannt und fest verankert sei. Viennale verantwortlich zeichnen, die von 25. Oktober bis 8. November über die Bühne gehen wird.

Sangiorgi will in ihrer Direktion auf eine Mischung aus Kontinuität und Veränderung setzen. Sie sei gespannt darauf, im Zuge ihrer Arbeit mehr über das österreichische Kino zu lernen und wolle sich bemühen, bestehende Kooperationen des Festivals weiterzuführen, etwa jene mit dem Österreichischen Filmmuseum. Zugleich sei es ihr Ziel, die starren Grenzen zwischen Dokumentar- und Spielfilm aufzuheben und etwa im Festivalzentrum jeden Abend Gespräche zwischen Filmschaffenden und Publikum zu programmieren. "Aber das Ziel ist, ein gutes Programmpaket zusammenzustellen", so Sangiorgi. Trotz ihres beruflichen Hintergrundes werde sie nicht notwendigerweise auf lateinamerikanisches Filmschaffen fokussieren, auch wenn sie natürlich einen entsprechenden Einblick in das Kino Südamerikas habe. Geboren wurde Sangiorgi am 10. Juli 1978 in Bologna, wo sie auch Kommunikationswissenschaften studierte. Es folgte ein Studium der Kunstgeschichte in Mexiko, wo sie 2010 das Filmfestival FICUNAM gründete.

Die gebürtige Italienerin lebt seit 15 Jahren in Mexiko. Sie war eine von 29 Bewerbern. Rund die Hälfte der Bewerbungen stammte dabei aus dem Ausland. Insofern sei Sangiorgis Ernennung ein Zeichen der Verjüngung, der Internationalität, und nicht zuletzt freue er sich, dass wieder ein Frau eine der großen Wiener Institutionen führen werde.

Man habe sich ganz bewusst für eine internationale Nachbesetzung in Zeiten der aufwallenden Nationalismen entschieden, betonte ebenfalls Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ): "Ich möchte das auch als Signal verstanden wissen".

Die Wahl, getroffen von einer aus Schwartz und sechs Mitgliedern des Viennale-Kuratoriums bestehenden Findungskommission, steht durchaus im Geiste Hurchs, dessen Haltung und Programmhandschrift nach 20-jähriger Leitung unverbrüchlich mit dem Image des Wiener Festivals verkoppelt ist.

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