Afrikanische Flüchtlinge tragen neuen Tuberkuloseerreger in sich

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Forscher der Universität Zürich haben einen antibiotikaresistenten Tuberkulose-Erreger entdeckt. Bestätigt sich die Vermutung, müssen die Betroffenen umgehend isoliert werden und eine mehrmonatige Behandlung mit sogenannten Reservemedikamenten über sich ergehen lassen.

"Neuartige Kombination von Resistenzen" Eine bisher unbekannte Version eines solchen multiresistenten Keims haben Wissenschaftler nun bei Asylbewerbern identifiziert, die aus Ländern am Horn von Afrika nach Europa gekommen sind. Insgesamt identifizierte das NZM den Erreger zwischen Februar und November 2016 bei acht Flüchtlingen aus Somalia, Eritrea und Djibouti.

Die aussergewöhnliche Häufung veranlassten die Leitungen des NZM und des Bundesamts für Gesundheit BAG zu einer Warnung an die europäischen Kollegen. Gleichzeitig diagnostizierte das deutsche Referenzlabor in Borstel bei Hamburg einen Fall mit dem gleichen Erreger.

Den Betroffenen konnten dennoch geholfen werden - und zwar mit Hilfe von langen Quarantänezeiten, dem weiteren Einsatz von Antibiotika und einer Kooperation mit dem European Center for Disease Prevention and Control (ECDC). Diese stießen in den folgenden Monaten auf insgesamt 21 Fälle mit dem neuen Keim. Auch diese Patienten stammten wie die Schweizer Fälle aus dem Horn von Afrika oder dem Sudan.

Dank der Warnung wurde die weitere Verbreitung des Erregers verhindert. "Der außerordentliche Fall hat zum Aufbau einer europäischen Warnorganisation für gefährliche Tuberkuloseerreger geführt", berichtet Keller. Die Daten weisen darauf hin, dass sich der Tuberkuloseerreger in einem libyschen Flüchtlingslager bei Bani Walid unter Migranten verbreitete.

Wer am Anfang des Ausbruchs steht und das Bakterium ins Lager eingeschleppt hat, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit rekonstruieren.

Dank den genetischen Analysen konnte ein PCR-Schnelltest entwickelt werden. Damit können Personen, bei denen ein Verdacht auf diesen Tuberkulosekeim besteht, innerhalb von Stunden diagnostiziert werden.

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