Wie die Stadt Jerusalem zum Konfliktfall wurde

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Das war fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 9. Dezember 1917.

1099 zogen die christlichen Kreuzfahrer in Jerusalem ein. Für politisch Denkende ist Jerusalem heute als Zentrum des Widerstandes gegen die Besetzung von zentraler Bedeutung.

Jerusalem ist für die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Stadt. Christen verbinden mit der Stadt den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu. Sie war einst die Westmauer des zweiten Jerusalemer Tempels. Der persische Schah Kyros II. erlaubte den Juden 538 vor Christus die Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau ihres Tempels. Die Überreste der westlichen Stützmauer des antiken Tempelplateaus bilden heute die Klagemauer. Laut der Bibel wurde Jesus in Jerusalem gekreuzigt und begraben. Dort soll Mohammed in den Himmel gestiegen sein. Der Anteil der jüdischen Bewohner in Ganz-Jerusalem liegt bei gut 65 Prozent, der muslimische bei 32 und der christliche bei ganzen zwei Prozent. Erst 624, also rund 14 Jahre nach Beginn der ersten koranischen Offenbarung, änderte Mohammed die Gebetsrichtung auf die Kaaba. Und doch wird seit Jahrhunderten um die Stadt gestritten und gekämpft.Jerusalem gilt als eine der ältesten Städte der Welt, es gibt Spuren von Siedlungen, die über 7000 Jahre alt sein sollen. Aus ihrer Sicht erkennt US-Präsident Donald Trump also lediglich einen historischen Fakt an. Tatsächlich stand die Stadt im Laufe ihrer Geschichte länger unter islamischer als unter jüdischer Herrschaft.

Um Jerusalem wird seit Jahrhunderten gestritten. Der Wunsch "Nächstes Jahr in Jerusalem", den Juden während des Pessachfestes aussprechen, legt davon Zeugnis ab. Als Allenby vor hundert Jahren durch das Jaffator in die Stadt einzog, zählte Jerusalem nur rund 50.000 Einwohner. 1920 übernahmen die Briten das Mandat vom Osmanischen Reich.

Juden glauben, dass Abraham das "gelobte Land" durchwanderte und dass die Stadt an dem Ort gebaut wurde, an dem er beinahe seinen Sohn Isaak geopfert hätte.

Auch der spätere Staatsgründer David Ben-Gurion ließ sich nach seiner Einwanderung nach Palästina 1906 drei Jahre Zeit, bis er Jerusalem besuchte. Der endgültige Status sollte erst in Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden.

Das gesamte Stadtgebiet steht unter der Kontrolle Israels. Die Araber vertrieben die jüdische Bevölkerung aus dem jüdischen Viertel und verweigerten ihnen den Zugang zur Klagemauer.

Die Juden flüchteten in die Diaspora, kehrten dann viele Jahre später zurück. Den Tempelberg unterstellten die Israelis dem Waqf, einer muslimischen Verwaltung, die vom jordanischen König finanziert wird. Deshalb ist es schwierig, von den USA aus und aus dem Blauen heraus Jerusalem als Haupstadt Israels anzuerkennen. Der Uno-Sicherheitsrat erklärte die faktische Annexion Ostjerusalems durch Israel in seiner Resolution 478 für "null und nichtig". Israel sieht Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt an, während die Palästinenser zumindest Ostjerusalem, zum Teil aber ebenfalls ganz Jerusalem als ihre Hauptstadt fordern. Von 1948 bis 1967 war die Stadt zwischen Jordanien und Israel geteilt.

Fremde im eigenen Land - Wie geht es den Arabern in der Stadt? Das wiederum lehnt Israel ab. Auch einen Reisepass haben die Wenigsten, stattdessen nur ein "Laissez-Passer-Dokument", mit dem sie außer Landes reisen dürfen. Deshalb ist der künftige Status Jerusalems eine der zentralen Streitfragen im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Fehlt eines der Papiere, hilft meist nur der Gang vor das Gericht.

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