Papst kritisiert Vaterunser-Übersetzung

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Papst Franziskus gefällt die Vaterunser-Bitte "führe uns nicht in Versuchung" nicht. Die aktuelle Übersetzung des Vaterunser sei nicht gut, sagte er in einem Interview des italienischen Senders TV2000.

Zur alten Übersetzung erklärte der Papst: "Ein Vater tut so etwas nicht".

Streit um das wichtigste Gebet der Christenheit - zumindest um die deutsche Übersetzung! Kann es überhaupt sein, dass Gott als liebender Vater seine Kinder in Versuchung führt? "Lass mich nicht in Versuchung geraten", träfe es besser, sagte Franziskus.

Warum geht dieser Konflikt so weit über Wortklauberei hinaus?

Das Vaterunser ist das am meisten verbreitete Gebet der Christen.

Milliarden von Menschen kennen das Gebet, das nach einhelliger Meinung der Theologen höchstwahrscheinlich von Jesus selbst stammt. Eine Änderung würde also aus Sicht der Gläubigen bedeuten, Gottes Wort nach 2000 Jahren zu korrigieren. Anders als die Bitte um das tägliche Brot war dieser Satz schon früher Gegenstand von Diskussionen.

Allerdings gibt es an der Übersetzung seit Langem Kritik: Jesus sprach Aramäisch, eine der Ursprachen des Nahen Ostens, und beherrschte Hebräisch. "Ich bin es, der fällt, aber es ist nicht er, der mich in Versuchung geraten lässt". Auch der Vorschlag "und führe uns IN DER Versuchung" kursierte in Fachkreisen. Diese hatten beschlossen, dass es in katholischen Gottesdiensten in Frankreich seit dem ersten Adventsonntag statt dessen heißt "Lass uns nicht in Versuchung geraten".

Franziskus verwies auf einen Beschluss der französischen Bischöfe, die offizielle Übersetzung zu ändern. Die bisherige Formulierung sei wörtlich aus dem griechischen Originaltext übersetzt.

Auch in Deutschland hatten Theologen nach der französischen Initiative gefordert, die Übersetzung anzupassen. "Wer dich in Versuchung führt, ist Satan", so der Papst.

Dagegen warnte jetzt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer vor einer "Verfälschung der Worte Jesu". Es gehe nicht an, Jesus diesbezüglich zu korrigieren, sagte Voderholzer. "Die Bibel würde aufhören, Zeugnis von Gottes Offenbarung zu sein", zitiert ihn sein Bistum aus einer früheren Predigt. Doch das sei eine schlechte Übersetzung, moniert nun Papst Franziskus.

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