Deutschland: Immer noch viele Menschen werden nicht nach Mindestlohn bezahlt

Einstellen Kommentar Drucken

Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Danach erhielten im ersten Halbjahr 2016 rund 1,8 Millionen keinen Mindestlohn, obwohl sie eigentlich Anspruch darauf haben.

Laut den Daten der Wirtschaftsforscher bekamen im Jahr 2016 insgesamt 4,4 Millionen Menschen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn.

Obwohl seit 2015 der flächendeckende Mindestlohn in Deutschland gilt, arbeiten Millionen Menschen für weniger Geld.

Starke Zuwächse bei niedrigen LöhnenAuch wenn die Umsetzung des Mindestlohns bei einem Teil der Anspruchsberechtigten noch nicht erfolgte, hat seine Einführung im Jahr 2015 zu starken Lohnzuwächsen im unteren Lohnsegment geführt. Während die Kommission den Angaben aus den Lohnbuchhaltungen der Betriebe vertraue, hätten die Forscher die Beschäftigten selbst befragt. Dabei hätten Arbeitnehmer aus 11.000 Haushalten angegeben, wie viel sie arbeiteten und was sie verdienten.

"Auffällig ist, dass einige Gruppen von Beschäftigten, die unter dem gesetzlichen Mindestlohnniveau entgolten werden, besonders betroffen sind: Das trifft auf Mini-Jobber, Beschäftigte in kleinen Firmen und Ausländerinnen und Ausländer zu". Im unteren Lohndezil, bei den zehn Prozent der Beschäftigten also, die am wenigsten verdienen, sind die Löhne zwischen 2014 und 2016 um 15 Prozent gestiegen. "Darüber hinaus sind Frauen mehr davon betroffen als Männer und ostdeutsche Beschäftigte mehr als westdeutsche", sagt Fedorets.

Und noch ein Hammer verbirgt sich in den Daten des DIW: Berücksichtigt man die Diskrepanz zwischen den vertraglichen und tatsächlichen Arbeitszeiten, steigt die Zahl der um den Mindestlohn gebrachten Erwerbstätigen sogar von 1,8 Millionen auf 2,6 Millionen. "Aus dieser Diskrepanz kann man schließen, dass vor allem unentgoltene zusätzliche Arbeitszeit einer der Kanäle ist, der es Arbeitgebern ermöglicht, unter dem Mindestlohn pro Stunde zu zahlen", sagt Studienautorin Fedorets. Mit anderen Worten: Viele Arbeitgeber zahlen zwar offiziell den korrekten Mindestlohn, lassen ihre Mitarbeiter aber dafür länger als vorgesehen arbeiten.

Die Studie des DIW hat aber auch eine positive Nachricht: Auch wenn der Mindestlohn noch nicht lückenlos durchgesetzt wird, so wirkt er doch.

Comments