Anis Amri hatte offenbar engere Verbindungen zum IS als bekannt

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In einem deutlich vor dessen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt beschlagnahmten Handy haben sich nach Recherchen der ZDF-Sendung "Frontal 21" hinreichend Anhaltspunkte für eine frühzeitige Festnahme Anis Amris befunden. Für die Auswertung soll das Landeskriminalamt NRW zuständig gewesen sein.

Sein Handy war im Februar 2016 sichergestellt worden. Laut Ermittlungsakten bot sich Amri schon im Februar 2016 mit dem Codewort "Dougma" der IS-Terrormiliz als Selbstmordattentäter an.

Die Ermittler hätten damals festgestellt, dass "Amri sehr wahrscheinlich nicht nur direkte Kontakte zum sogenannten 'Islamischen Staat' unterhält, sondern offenbar von einem derer Mitglieder direkt und persönlich instruiert wird, einen nicht bekannten Tatplan in Deutschland in die Tat umzusetzen".

Wären die Nummern rechtzeitig etwa vom BND überprüft worden, hätte Amri wegen Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe verhaftet werden können, sagte der Grünen-Politiker Ströbele dem ZDF. Bruno Jost, Sonderermittler des Berliner Senats, hält das für ein Versäumnis.

Amri verübte am 19. Dezember 2016 einen Terroranschlag in Berlin. Das sei nach Josts Erkenntnissen aber "nicht geschehen".

"Frontal 21" konnte Amris IS-Kontakte anhand von Facebook-Profilen verifizieren. Kontaktleute der Terrormiliz sollen zwei Männer gewesen sein, die aus Amris Heimatort Oueslatia stammen. Schon im Oktober 2015 hatte ein Mitbewohner Amris in einem Flüchtlingsheim die Behörden gewarnt. Doch der Zeuge wurde erst Wochen nach dem Anschlag zur polizeilichen Vernehmung vorgeladen. Er ermordete zwölf Menschen. Derzeit versuchen Untersuchungsausschüsse mögliches Versagen der Sicherheitsbehörden aufzuklären.

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