Journalist Deniz Yücel nicht mehr in Einzelhaft

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Die türkischen Behörden haben die Haftbedingungen für den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gelockert".

Yücel sei nach mehr als 290 Tagen in eine Zelle verlegt worden, die über einen Innenhof mit zwei anderen verbunden sei, berichten die "Welt am Sonntag" und die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Yücels Anwalt Veysel Ok. Bisher war dem 44-Jährigen jeder Kontakt zu Mitgefangenen unmöglich. Der Zugang beider Zellen zu dem gemeinsamen Innenhof sei während des Tages geöffnet. Zu anderen Mitgefangenen habe er aber offenbar weiterhin keinen Kontakt. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Yücel sitzt seit Februar in der Haftanstalt Silivri westlich von Istanbul in Untersuchungshaft.

Die türkische Regierung hält die Vorwürfe gegen Yücel trotzdem nach wie vor aufrecht und wies ein Gericht an, die Beschwerde Yücels gegen die lange Untersuchungshaft abzuschmettern. Die Maßnahmen gegen den Journalisten seien "notwendig und angemessen", heißt es darin. Yücel habe im März Beschwerde beim türkischen Verfassungsgericht eingereicht und müsse den nationalen Rechtsweg zunächst ausschöpfen, hieß es unter anderem zur Begründung. Gegen ihn liegt bis heute keine Anklage vor. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Journalisten mehrfach als "Spion" bezeichnet.

In einer der angeschlossenen Zellen sitze der Journalist Oguz Usluer, der früher für die türkische Tageszeitung "Habertürk" arbeitete. Vielmehr bestehe der dringende Verdacht, dass Yücel in Einklang mit den Zielen von Terrororganisationen gehandelt und "Propaganda zugunsten der Terrororganisation verbreitet und Handlungen ausgeführt habe, um einen Konflikt zwischen türkischen und kurdischen Gesellschaftsgruppen anzuzetteln". Die Türkei macht letztere für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

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