Türkischer Ex-Minister in US-Prozess belastet

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Vor dem Richter schilderte Zarrab, wie er im Rahmen eines illegalen Goldhandels mit dem Iran allein den früheren türkischen Wirtschaftsminister Zafer Caglayan mit rund 50 Millionen Euro, sieben Millionen Dollar und 2,4 Millionen Lira schmierte.

In dem Prozess in New York hatte Zarrab tags zuvor ausgesagt, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe von einem Komplott zur Umgehung von Sanktionen der USA gegen den Iran gewusst. Sollte sich bewahrheiten, dass türkische Geldinstitute mit Beteiligung der Regierung in Ankara die Iran-Sanktionen unterliefen, könnten die belasteten Beziehungen zu den USA noch weiter erodieren.

Erdogan betonte, die Türkei habe sich nicht dazu verpflichtet, US-Sanktionen gegen den Iran einzuhalten.

Die türkische Regierung beschuldigt die terroristische Gruppe, den Fall für eigenen Zwecke zu nutzen. Auch den früheren Chef der Halkbank, Suleyman Aslan, habe er mit Schmiergeldern in Millionenhöhe bestochen, sagte Zarrab am Donnerstag. Die Aussage ist politisches Dynamit: Erdogan wird jetzt vor einem amerikanischen Gericht mit schwerer Korruption und Sanktionsverletzungen in Verbindung gebracht. Nach Darstellung Erdogans waren die Ermittlungen hingegen ein Versuch der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zum Sturz seiner Regierung.

Zarrab war im März 2016 während einer Reise nach Florida festgenommen worden, Atilla rund ein Jahr später. Vergeblich hatte Erdogan monatelang versucht, den brisanten Prozess zu verhindern.

In dem New Yorker Prozess geht es um Goldgeschäfte Zarrabs mit dem Iran, die die US-Staatsanwaltschaft als Verstoß gegen US-Finanzsanktionen sieht.

Da Zarrab nun mit der Anklage zusammenarbeitet, ist der Vizechef von Halkbank, Mehmet Hakan Atilla, der einzige Angeklagte vor dem Gericht in Manhattan.

Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu beschuldigt Verwandte und Vertraute Erdogans, Millionen Dollar an eine Firma auf der Isle of Man überwiesen zu haben.

Es bestand damals der Verdacht, dass die türkische Führung von den Goldgeschäften Zarrabs nicht nur wusste, sondern von ihnen auch profitiert hat. Nach Aussage des Goldhändlers Reza Zarrab, ja!

Erdogan wies am Donnerstag die Vorwürfe zurück, dass die Türkei gegen US-Sanktionen verstoßen habe. Doch auch zu Hause gerät Erdogan unter neuen Druck.

Grund: Steuerflucht-Vorwürfe gegen seine Familie und ein Prozess in den USA. Im türkischen Parlament brachen Tumulte zwischen Regierungs- und Oppositionsabgeordneten aus. Dies könnte den Prozess verzögern.

► Aus Erdogans Umfeld hieß es gar, Kilicdaroglu sei ein "nationales Sicherheitsproblem".

Der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag sagte am Donnerstag, Zarrab sei "unter Druck zum Verleumder" gegen die Türkei geworden.

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