Wenn die Übung fehlt, enden Krebs-OPs öfter tödlich

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Spezialisierte Kliniken, die viele Krebs-OPs durchführen, haben höhere Erfolgsquoten.

Der Studie zufolge könnte allein die Zahl der Todesfälle infolge von Lungenkrebsoperationen durch die Einführung einer rechnerischen Mindestmenge von 108 Eingriffen pro Jahr um etwa ein Fünftel sinken - von 361 auf 287 Todesfälle pro Jahr. Das geht aus dem AOK-Qualitätsmonitor 2018 hervor, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Donnerstag vorgestellt hat. In Kliniken mit weniger Operationen sterben dagegen 4,1 Prozent der Patienten. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass in diesen Kliniken die nötige Operationsroutine und die für eine adäquate Gesamtbetreuung notwendige Spezialisierung nicht vorhanden sein können", so Mansky.

Diese "Gelegenheitschirurgie" sei nicht akzeptabel, kritisiert Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Außerdem drohte Litsch den Kliniken: Die AOK werde Operationen künftig nicht mehr bezahlen, wenn die durchführenden Krankenhäuser sich nicht an die vorgeschriebenen Mindestmengen halten, sagte er. Die Krankenkasse will deshalb nun im Gemeinsamen Bundesausschuss Mindestmengen für Lungen- und Brustkrebs-Operationen fordern und sich dafür einsetzen, dass die bereits bestehenden Mindestzahlen an Operationen bei Speiseröhren- und Pankreaskrebs erhöht werden. Diese müssten eine Mindestzahl von 75 Lungenkrebsoperationen pro Jahr vornehmen und darüber hinaus eine Reihe von Qualitätskriterien erfüllen. Das Problem seien die vielen Kliniken am anderen Ende des Spektrums: "Das sind in der Regel allgemeinchirurgische Abteilungen, die nur gelegentlich Thoraxchirurgie betreiben". Demnach werden in Mecklenburg-Vorpommern 75 Prozent aller Krebspatienten in Krankenhäusern mit weniger als 75 Lungenkrebs-OPs pro Jahr behandelt.

Beispiel Lungenkrebs: In Krankenhäusern, die Patienten mit dieser Krebsart mehr als 75 Mal pro Jahr operieren, liegt deren Sterblichkeitsrate im Schnitt bei 2,5 Prozent. In Berlin sind es nur drei Prozent. Besonders viele Kliniken mit unter 75 OPs pro Jahr gibt es in Nordrhein-Westfalen (90 Kliniken) und Bayern (60 Kliniken).

Die Durchsetzung von Mindestmengen und Zentralisierung von Leistungen sei für Kliniken nicht einfach und ein "schmerzhafter Prozess", der aber angesichts der eindeutigen Datenlage "absolut folgerichtig" sei, betont Prof. 260 deutsche Kliniken führen einen solchen Eingriff nur fünfmal pro Jahr durch. Bei der Weiterentwicklung der IQM-Qualitätsindikatoren habe man Informationen über Mindestfallzahlen, die Breite des Leistungsangebotes und die Leistungsmengen berücksichtigt.

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