AOK: Risiko für Krebspatienten durch Kliniken mit wenig Erfahrung

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Berlin (ots) - Viele Patienten in Deutschland sterben zu früh, weil sie in Kliniken operiert werden, die zu wenig Erfahrung mit komplizierten Krebs-OPs haben. Weiter rechnet das WIdO vor, dass die Zahl der Todesfälle um etwa ein Fünftel sinken könnte, wenn eine Mindestmenge von 108 Eingriffen pro Jahr in jedem Krankenhaus eingeführt würde. Das geht aus dem AOK-Qualitätsmonitor 2018 hervor, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Donnerstag vorgestellt hat. Bei anderen Krebsarten wie Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs setzt sie sich für die Erhöhung bestehender Mindestmengen ein.

Spezialisierte Kliniken, die viele Krebs-OPs durchführen, haben höhere Erfolgsquoten.

Ein Fünftel der Patienten, bei denen oft ein Teil der Lunge entfernt werden muss, wird hingegen in insgesamt 260 Kliniken behandelt, die im Durchschnitt nur fünf dieser Operationen pro Jahr vornehmen. AOK-Chef Martin Litsch kündigte an, sich für mehr und konsequenter durchgesetzte OP-Mindestmengen einsetzen zu wollen.

Das bestätigen auch Daten der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), die nach eigenen Angaben bundesweit 49 Lungenkrebszentren zertifiziert hat. Diese müssten eine Mindestzahl von 75 Lungenkrebsoperationen pro Jahr vornehmen und darüber hinaus eine Reihe von Qualitätskriterien erfüllen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte die Studie gestern als „unseriös
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte die Studie gestern als „unseriös

Das Problem seien die vielen Kliniken am anderen Ende des Spektrums. Demnach werden in Mecklenburg-Vorpommern 75 Prozent aller Krebspatienten in Krankenhäusern mit weniger als 75 Lungenkrebs-OPs pro Jahr behandelt.

Eine Auswertung auf Basis der Krankenhausabrechnungsdaten von 2015 zeigt in Kliniken mit mehr als 75 Lungenkrebsoperationen pro Jahr eine Sterblichkeitsrate von nur 2,5Prozent, während sie in den Kliniken mit weniger Operationen pro Jahr bei 4,1 Prozent liegt. In Berlin sind es nur drei Prozent.

Die Durchsetzung von Mindestmengen und Zentralisierung von Leistungen sei für Kliniken nicht einfach und ein "schmerzhafter Prozess", der aber angesichts der eindeutigen Datenlage "absolut folgerichtig" sei, betont Prof. Vielen Kliniken fehle die Erfahrung bei den komplizierten Eingriffen. Neben den Lungenkrebs-OPs stehen in diesem Jahr die Versorgung von Frühgeborenen, die Geburtshilfe sowie die Implantation von Knie- und Hüftgelenks-Endoprothesen im Fokus. "Die Krankenhausplaner der Länder bekommen mit dem Qualitätsmonitor einen hilfreichen Werkzeugkasten in die Hand".

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