Prozess gegen Anton Schlecker geht in die Schlussphase

Einstellen Kommentar Drucken

"Gar nichts", sagte Christel Hoffmann am Montag zu den Plädoyers im Stuttgarter Bankrottprozess.

Auch die Kinder Schleckers sollen belangt werden: Lars Schlecker soll nach dem Willen der Ankläger für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis ("Bankrottstraftaten", "Untreue"), Meike Schlecker (dito) zwei Jahre und acht Monate.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schlecker unter anderem vor, Geld aus seinem Unternehmen beiseite geschafft zu haben, obwohl er wusste, dass es auf die Insolvenz zusteuert. Außerdem soll er jahrelang überhöhte Stundensätze an die Logistik-Tochterfirma LDG gezahlt und so ebenfalls einen Millionenschaden verursacht haben. Am Montagmorgen wollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Schlussvorträge halten. Sie hatten am Vormittag in einem langen Vortrag zusammengefasst, welche Beweise gegen Schlecker das Anfang März begonnene Verfahren nach ihrer Auffassung ans Licht brachte. Der 73-Jährige bestreitet das.

Die Vertreter der Anklage hatten zuvor drei Jahre Haft für den Gründer der einst größten Drogeriemarktkette Europas gefordert. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und etwa genau so viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz.

Am Nachmittag sind die drei Verteidiger an der Reihe, die jeweils gut eine Stunde für ihre Plädoyers brauchen werden. Im Prozess hat er betont, bis zuletzt fest an das Überleben der Firma geglaubt zu haben. Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich von Ende 2009 ausgegangen und hatte auf dieser Basis eine Schadenssumme von mehr als 25 Millionen Euro errechnet.

Ausschlaggebend dafür ist die Frage, wann Anton Schlecker hätte wissen müssen, dass sein Imperium zahlungsunfähig ist. Vor gut einer Woche hatten Schlecker und seine Kinder noch einmal vier Millionen Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt, die an die Insolvenzkasse gehen sollen. Entsprechend hat sich die Liste der Vorwürfe, die teilweise nur bestimmte Zeiträume umfassen, reduziert. Insgesamt haben die Gläubiger früheren Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet.

Comments